Deutschland quer (Mitte)

Für das Jahr 2014 ist eine größere Tour geplant. Die Route soll mich grenznah um Deutschland herum führen. Leider stehen mir aus beruflichen Gründen nur 26 Tage für dieses Vorhaben zur Verfügung. Zum einen bedingt das, dass ich die eine oder andere Ecke des Landes nicht ausfahren werde, zum anderen aber steht die Tour in der Vollständigkeit grundsätzlich in Frage. Wenn man anderen Radfahrern glaubt, die eine solche Reise schon hinter sich brachten, dann stehen nach Abschluss der Runde über 4000km mehr auf der Uhr.
Das bedeutet bei einer Reisedauer von 26 Tagen eine durchschnittlich gefahrene Tagesstrecke von etwa 150km – eine äußerst sportliche Aufgabe, die eigentlich nicht zu bewältigen ist.
Eine Reise mit Fahrradanhänger hatte ich zudem bislang noch nicht unternommen. Deshalb werde ich nun die zweite Hälfte der Herbstferien dazu nutzen, eine Testfahrt mit dem Bob Yak im Schlepp zu unternehmen.
Aufgrund von Lieferverzug beim Tourenrad, bin ich dabei gezwungen, mein bereits ausgemustertes Rennrad, das Cube Streamer von 2006, zu reanimieren.
Was dazu getan werden muss?
Neue Reifen, ein, freundlicherweise von der Bike-Galerie zur Verfügung gestellter Sattelstützengepäckträger, die Schnellspannachse zur Befestigung des BOB Yak und last but not least noch ein Klickfix-Adapter mit Verlängerungsmodul für die Lenkertasche. Die Kette ist laut Rohloff-Kettenleere noch voll intakt, braucht also nur gereinigt und frisch gefettet zu werden. Insgesamt reicht ein Nachmittag, damit das Rad reisefertig im Stall steht.

Die Tour

26.10.2013 (Plettenberg-Höxter)

Gemeinsam mit Frau und Kind setzen wir uns heute Morgen nach dem Aufstehen an den Frühstückstisch und genießen noch einmal ein gemeinsames Frühstück. Das Wetter sieht beim Blick aus dem Fenster noch nicht wirklich einladend aus, aber zumindest kommt kein nasser Nachschlag aus den dichten Wolken hinzu.
Im Anschluss an das Frühstück laufe ich mehrmals in den Keller, weil ich immer wieder eine Kleinigkeit vergesse. Das eine Mal ist es das USB-Kabel zum laden des Garmin Edge 800, das mich auf dieser Tour erstmals begleitet, ein anderes Mal das Kombiwerkzeug und wieder das nächste Mal der extra beschaffte 16 Zoll Ersatzschlauch für den Bob Yak-Fahrradanhänger. Das muss in den nächsten Tagen noch besser werden!
Doch noch ziemlich pünktlich trage ich das Fahrrad aus dem Keller und spanne den Anhänger an die spezielle Schnellspannachse. Sicherungsstifte sorgen dafür, dass sich diese Verbindung nicht ungewollt während der Fahrt wieder lösen kann.
Noch eine Umarmung, ein Foto und los geht’s …

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8:48-Start in Plettenberg
Auf den ersten Metern fühlt sich das Gespann sehr ungewohnt an. Gerade so, als würde sich die ganze Fuhre beim Fahren verbiegen. Die einzige Fahrt mit dem BOB war bisher einmal zum Ausprobieren um den Block herum – natürlich noch ohne Beladung.
Die erste Steigung nach Allendorf hinauf merke ich dann auch bereits deutlich das Gewicht des Anhängers. Der zerrt schon recht kräftig am Heck in Richtung Tal. So deutlich hatte ich das nicht erwartet.
Auf gewohnten Strecken fahre ich bis nach Sundern, biege dann aber nach rechts in Richtung Freienohl ab. Ab hier sind die Wege für mich mit dem Rad neu.
Bergab, wenn es ein wenig flotter voran geht, machen mir die Fahreigenschaften noch Sorge. Ich fühle mich wirklich unsicher auf dem Rad. Ich habe dabei aber eher die Befürchtung, dass der „labberige“ Packtaschenhalter dafür verantwortlich ist. Der Sattelstützenhalter weist keine Abstützung zum Hinterbau auf und hat deshalb die Möglichkeit, seitlich zu schwanken. Diese Chance nutzt er offenbar sehr rege.
Das Wetter klart auf, die Sonne zeigt sich und nicht nur die Landschaft um mich herum, sondern auch meine eigene Stimmung hellt sich dadurch auf. Bereits kurz hinter Hellefeld, bei Sundern, ziehe ich die Regenjacke aus und wechsele das Radtrikot. Das vorhin noch bevorzugte ist jetzt eindeutig zu warm.
In Meschede fällt mir dann mein nächstes Defizit auf. Wieder etwas vergessen. Es fehlt das Fahrradschloss. Ich halte kurz an einem Baumarkt mit angeschlossenem Fahrradhandel, um eines zu kaufen. Jetzt habe ich also derer zwei – eines zu Hause und eines hier. Aber egal, deshalb fahre ich jetzt ganz sicher nicht zurück.
Vor Brilon vertraue ich der Beschilderung und wechsele nach links auf einen Radweg. Schnell soll sich das als Fehler herausstellen. Zuerst einmal sehe ich kurze Zeit später die Straße ein ganzes Stück unter mir, was für mich in erster Linie nutzlos geleistete Höhenmeter bedeutet, zum anderen wird dieser Radweg offenbar auch rege von der Landwirtschaft genutzt. Die Folge sind vollkommen eingeschlammte Reifen, die ihren Dreck in den engen Rennradbremsen zurücklassen und das fahren noch unangenehmer machen. In der Steigung kommt es teilweise so weit, dass das Hinterrad auf dem eingesauten Asphalt durchdreht.

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Mit einem kleinen Stock stochere ich das Gröbste wieder heraus. In Marsberg wir mir die Schleiferei aber doch zu blöd und ich mache einen kurzen Halt an einer Autowaschanlage. Dort hilft die Vorwaschlanze, den Schmodder größtenteils aus der Bremse wieder heraus zu bekommen.
In Scherfede mache ich eine kurze Pause und esse mein mitgenommenes „Schweineohr“. Ich hole das iPad aus der Tasche und schaue nach den Möglichkeiten, die sich mir auftun, um nach Höxter zu gelangen.
Hinter Scherfede bewege ich mich dann über kleinste Straßen weiter in Richtung Brakel. Hier, kurz vor Brakel soll die Strecke laut Karte nach rechts in Richtung Höxter abzweigen. Vor Ort stellt sich dieser Abzweig jedoch als Kraftfahrstraße heraus. Nichts für mich also. Ein Blick auf die Karte lässt mich aber schnell eine andere Strecke finden.
Ich fahre nach Brakel hinein, finde aber diese Ausweichstrecke nicht. Mehrmals meine ich, richtig zu sein, um mich kurze Zeit später wieder in Brakel zu finden. Irgendwie bekomme ich es nicht auf die Reihe, die Kartendaten mit der realen Umgebung in Einklang zu bringen. Es ist zum Verzweifeln, zumal es eigentlich gar nicht mehr so weit zu meinem heutigen Tagesziel ist.
Ein Rennradkollege, ich sah ihn schon kurz vorher, als ich die Karte studierte, merkt, dass ich offenbar orientierungslos bin und hält an. Er ist dann so nett und führt mich auf einen wunderschönen asphaltierten Radweg, der nach Höxter führen soll. Etwa zehn Minuten begleitet er mich noch auf diesem Radweg, bis er in seine Richtung abbiegt.
Auf diesem Weg bleibe ich eine ganze Zeit lang und fahre durch wunderschöne Wiesenlandschaften. Auf einer grast eine Schafherde – schön, so hatte ich mir die Fahrt vorgestellt!

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Dann komme ich aber wieder mit dem Weg durcheinander. Irgendwie stimmt die Richtung nicht mehr. Ich suche und immer wieder komme ich abermals Brakel näher, als mir lieb ist. Fast eine Stunde irre ich so in der Gegend herum, bevor eine nette Frau am Straßenrand mir den entscheidenden Hinweis gibt. Ich pfeife für den Rest des Tages auf Radwege und fahre über die Hauptstraße nach Höxter. Hier suche ich zuerst nach einer Pension. So etwas scheint es hier jedoch nicht zu geben, zumindest weiß niemand Rat, den ich frage. Deshalb wähle ich die örtliche Jugendherberge. Um die aber zu erreichen, muss ich erst noch die heftigste Steigung des Tages bezwingen. Mit Anhänger im Schlepp eine wirkliche Herausforderung.
An der Jugendherberge angekommen, werde ich sehr freundlich empfangen. Mir wird ein Zimmer zugewiesen und gleichzeitig der Hinweis gegeben, dass ab 18:00 Uhr das Abendessen bereit steht. Das ist in einer halben Stunde. Ich springe schnell unter die Regenmaschine, ziehe mir „weltliche“ Kleidung an und gehe direkt zum Essen – das passt!
Nach dem leckeren Essen, es gibt Nudeln mit Geschnetzeltem, lasse ich mir noch zwei kleine Flaschen Bier geben, mit denen ich daraufhin wieder aufs Zimmer gehe und den Abend verbringe. Hier scheibe ich auch meinen ersten Tagesreport und komme danach auch schnell zur Ruhe.

Tages-km: 156km
Fahrzeit: 07h 45min
VØ: 20,9km/h
Aufstieg: 1434Hm

27.10.3013 (Höxter-Seesen)

Ab heute habe ich eine Stunde weniger zur Verfügung. In der Nacht wurden die Uhren auf die Winterzeit umgestellt.
Das Zimmer in der Jugendherberge in Höxter war einfach, aber sauber. Ich habe hier gut geschlafen. Das Frühstücksbuffet ist reichlich und schmackhaft.
Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen wieder zusammen.

8:42-Start in Höxter
Kurz nach 8:30 ist dann das Rad gepackt und ich starte die heutige Etappe. Heute möchte ich hier in Höxter in den Europaradweg R1 einsteigen. Der R1 wird in Deutschland auch als D3 bezeichnet. Er gehört zum D-Netz, dem offiziellen Radwegenetz in Deutschland. Als Europaradweg durchzieht der Radweg auf einer Gesamtstrecke von 3800km neun Länder und drei Zeitzonen. Der R1 startet in Boulogne-sur-Mer in Frankreich an der Kanalküste und führt dann durch Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Polen, das Baltikum, Litauen, Lettland und Estland bis nach St. Petersburg in Russland.

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Ganz so weit möchte ich dem Weg aber nicht folgen…
Kaum wieder auf der Hauptstraße im Ort, sehe ich auch schon den ersten Wegweiser. So darf es weitergehen. Entlang der Weser führt mich der Radweg. Hier bemerke ich bereits ziemlich heftigen Wind. Im Moment stört er nicht, da er sogar seitlich von hinten schiebt, jedoch sagt mir ein Blick auf das Edge 800, dass das so nicht bleiben wird. Zur Zeit fahre ich in die falsche Richtung. Immerhin möchte ich nach Osten.
Unter den Bäumen hört man in den Blättern jeweils den starken Wind rauschen. Eine Schleife der Weser zeigt mir dann die Zähne der Natur. Der Wind kommt jetzt so stark von vorn, dass ich lediglich noch mit einer Geschwindigkeit von 8 km/h voran komme.

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Teilweise nimmt der R1 recht seltsame Wege und macht Schleifen und Bögen, die vielleicht einen touristischen Nutzen haben, mir aber trotzdem missfallen, da ich voran kommen möchte. Zudem sind auch auf der BikeLine-Karte einige Strecken als nicht befestigt gekennzeichnet. Für das Rennrad nicht wirklich das richtige Terrain. Ich wähle deshalb zum Teil Alternativstrecken, die angenehmerweise fast ausnahmslos recht ruhig und Verkehrsarm sind. Das einzige, das wirklich mürbe macht, ist der ekelige, ständige, nicht nachlassende Wind. Ich komme selbst bergab teilweise nur mit 15km/h voran. Während einer kurzen Pause schaue ich mir auf dem Smartphone den Wettbericht an, um zu sehen, was mich morgen noch erwarten wird. Morgen hatte ich eigentlich die letzte Etappe nach Drosa, bei Köthen, in Sachsen Anhalt geplant. Das sollte von meinem heutigen Ziel noch eine Strecke von etwa 120-130km sein.
Der Wetterbericht verspricht aber leider gar nichts Gutes. Schon heute Nacht bringt die Wetterfront orkanartigen Sturm, der auch morgen nicht abklingen soll. Dass es dabei nicht trocken bleiben wird, bedarf sicher keines weiteren Hinweises.
Schweren Herzens entschließe ich mich deshalb zum Abbruch der Tour. Mit etwas Regen, auch mit etwas mehr, habe ich wirklich kein Problem. Damit hatte ich sogar gerechnet. Mit einem Orkan, der auch abknickende Bäume und heftigsten Seitenwind verspricht, komme ich aber nicht zurecht. Da habe ich echten Respekt. Ich telefoniere deshalb mit meiner Frau, die bereits seit gestern bei ihren Eltern ist. Sie holt mich mit dem Pickup an der BAB-Anschlussstelle Seesen bei Goslar ab. Die Bezeichnung Pickup bekommt hier erst ihren richtigen Sinn.

Tages-km: 93,03km
Fahrzeit: 04h 49min
VØ: 19,3km/h
Aufstieg: 582Hm

31.10.2013 (Drosa-Wernigerode)

Die Entscheidung, die Tour in Goslar abzubrechen, war goldrichtig. Der Sturm, es war das Orkantief Christian, war sehr heftig. Hohe materielle Schäden und sogar einige Menschenleben waren zu beklagen. Bei solchem Wetter muss ich nicht mit dem Rad unterwegs sein.
Heute besiegt mich dann aber die Langeweile und ich starte, eigentlich viel zu spät am Tage, den Heimweg ins Sauerland.
11:22-Start in Drosa
Das wird heute keine besonders lange Etappe.
Von Drosa fahre ich über Bernburg nach Aschersleben. In Bernburg steht auf dem gegenüber liegenden Bürgersteig ein Tourenfahrer, ebenfalls mit angespanntem Bob. Es schaut so aus, als würde er gerade erst dort aufbrechen. Neben ihm steht ein PKW mit offenen Türen. Es wird natürlich freundlich gegrüßt.
Parallel zur neuen Bundesstraße B6n verläuft noch die alte Straße, die aufgrund der neuen Kraftfahrstraße nur wenig befahren ist. Etwas Gegenwind trübt das Bild, aber bei weitem nicht so stark, wie letzten Sonntag. Es fährt sich insgesamt angenehm.
Von Aschersleben wähle ich den Weg über Quedlinburg nach Goslar. In Quedlinburg angekommen, frage ich einen vorbeiradelnden Radfahrer nach dem weiteren Weg nach Goslar. Scheinbar ist die Strecke aber für ihn zu ungewöhnlich für eine Radtour. Er nennt mir eine Strecke über Halberstadt. Ein prüfender Blick auf die Karte, den ich glücklicherweise noch mache, zeigt mir, dass ich dadurch einen unnützen Haken schlagen würde. Ich wähle deshalb eine Route über Blankenburg, die ich nach kurzem hin und her auch finde.
Von Blankenburg aus wähle ich dann kleine Landstraßen über Heimburg und Benzingerode nach Wernigerode. Schon auf dem Weg dorthin nutze ich die DJH-App, um ein Zimmer in der Jugendherberge in Wernigerode zu reservieren, wenn das auch in dieser Jahreszeit sicher nicht notwendig wäre.
Die nette Dame des Hauses erklärt mir am Telefon den Weg zur Herberge. Scheinbar befindet sich auch diese Jugendherberge auf einem Berg, der erst noch zu bezwingen sein wird. So schlimm wird es dann aber doch nicht.
Unterwegs, schon in Wernigerode, mache ich noch einen kurzen Halt am Bahnhof, wo die Harzer Schmalspur-Dampfbahnen unterwegs sind. Ein Zufall, denn eigentlich stoppe ich nur, weil der Weg durch einen Tunnel führt und ich dafür am Anhänger mein Rücklicht einschalten möchte. Schnell noch ein Foto von der schicken Dampflok gemacht und schon geht’s weiter.

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Noch eine kurze Steigung und schon sehe ich die Herberge. Das Mädel an der Rezeption ist überrascht, dass es so schnell ging. Ich selbst habe das so gar nicht empfunden.
Sie gibt mir den Zimmerschlüssel, ich bringe die Taschen aufs Zimmer und stelle danach das Rad in den Fahrradschuppen. Zu dieser Zeit ist der nicht stark ausgelastet. Lediglich ein Hobby-MTB steht noch darin.
Wieder zurück auf dem Zimmer, beziehe ich mein Bett, springe daraufhin unter die Dusche, bevor ich dann auch schon zum Abendbuffet gehen darf. Es gibt dort Reis, Chilli und Gemüsesauce. Dazu diverse Salate und Brot mit Aufschnitt und Käse. Ein leckeres Buffet also, mit durchaus ansprechender Auswahl. Leider stehen nur kleine „Frühstücksteller“ bereit – deshalb gehe ich insgesamt drei Mal zum Buffet.
An der Rezeption befindet sich in dieser Jugendherberge eine Bar, die mich dazu animiert, dort, bei einem, (Korrektur: zwei) Weizen meinen heutigen Tagesreport in das iPad zu tippen. Im Anschluss daran geht’s wieder aufs Zimmer in die Waagerechte. Ich lese noch ein wenig, bevor mir dann doch die Augen zufallen.

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Tages-km: 94,25km
Fahrzeit: 04h 48min
VØ: 19,6km/h
Aufstieg: 507Hm

01.11.2013 (Wernigerode-Höxter)

Abends war noch ein wenig Helloween-Trubel vernehmbar, danach aber erholsame Ruhe. Ich habe wieder sehr gut geschlafen. Nach der Morgentoilette gehe ich fast als erster an das Frühstücksbuffet. Ähnlich, wie schon am Abend, lässt auch dies keine Wünsche offen.
Gestärkt befreie ich das Rad aus dem Fahrradschuppen, in dem sich seit gestern zwei weitere Reiseräder dazugesellten. Zwei Mal muss ich zur vierten Etage des Gebäudes, da dort mein Zimmer war.

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08:38-Start in Wernigerode
Ich verabschiede mich von der Empfangsdame, heute Morgen eine andere, und mache mich auf den Weg.
Schon im Bike-Line sind zahlreiche Abschnitte, die der R1 mir heute bereiten würde, als unbefestigt oder schlecht befahrbar gekennzeichnet. Ich wähle daher Straßen. Viele Straßen, auch Bundesstraßen sind in dieser Gegend mit Radwegen, oder zumindest abgeteilten Radstreifen versehen. Sicher ist es ein wenig lästig, sich die Straße mit schnellen Autos oder LKW zu teilen, aber es klappt gut. Selbst dann, wenn es keinen extra Radweg gibt, halten ausnahmslos alle Fahrer gut ausreichenden Abstand, so dass ich mich zu keiner Zeit durch den Verkehr gefährdet sehe.
Nach einigen Kilometern sehe ich dann Schilder, die nach Holzminden weisen. Eigentlich hatte ich Höxter als Etappenziel nicht für möglich gehalten. Als ich aber die Entfernung von nur knapp über 60km auf dem Wegweiser lese, überschlage ich, dass ich in drei bis vier Stunden dort sein müsste. Ich folge den Schildern.

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Was nun kommt ist nicht besonders spannend, wenngleich sehr strapaziös. Ein stetes auf und ab begleitet mich auf der gesamten Strecke. Richtig freuen kann ich mich über die kurzen Gefällstrecken nicht, weil ich genau weiß, dass ich dadurch nur mühsam gewonnene Höhenmeter wieder zunichte fahre. Einen kurzen Moment später folgt stets die nächste andauernde Steigung. Spass macht das nicht. Mir wird von Kilometer zu Kilometer bewusster, dass das Rennrad nicht für solche Reisen mit schwerem Gepäck gemacht ist. Es fehlen schlicht die kleinen Übersetzungen, mit denen man langsam, aber doch recht locker die Steigungen hinauf kurbeln kann. Bedingt durch die vergleichsweise lange Anfangsübersetzung muss ich mich wirklich jeden Berg mit unangenehm langsamer Trittfrequenz hinauf kämpfen. Ich hoffe, das wird demnächst mit dem neuen Reiserad besser…
Ein Wegweiser lenkt mich nach links und weist darauf hin, dass Holzminden nur noch 19 Kilometer in der Ferne liegt. Das hört sich gut an – etwa eine Stunde noch. So zumindest meine Vermutung. Ich verlasse den Ort und sehe …. natürlich, wieder eine Steigung. Dieses Mal aber heftiger und soweit man schauen kann. Das macht heute keinen Spaß!
Ich wuchte die Kurbel Umdrehung für Umdrehung herum und kämpfe mich so langsam die Steigung hinauf, als ich plötzlich weit oben, noch viel höher, als ich es bislang sah, einen LKW fahren sehe, der mich gerade noch überholte. Ich könnte mir den Finger in den Hals stecken. So ein Tag macht wirklich gar keinen Spaß. Zum Überfluss setzt auch noch leichter Nieselregen ein. Nun gut, denke ich, ein Motor braucht ja auch Kühlung…
Als ich mich so die Steigung hinauf quäle, sehe ich am Wegesrand ein altes Steinkreuz stehen. Im Vorbeifahren lese ich darauf das Wort „GEDULD“. Na das passt ja mal – ob das Kreuz speziell für solche, wie mich hier aufgestellt wurde?
Zwei auf und ab’s später treffe ich dann endlich in Holzminden ein. Aus der Veranschlagten Stunde sind nun fast derer zwei geworden. Hier zumindest kenne ich mich noch aus. Letzte Woche kam ich auch hier entlang. Ich fahre also wieder entlang der Weser in Richtung Höxter. Das sind von hier aus noch etwa dreizehn Kilometer. Obwohl die Strecke entlang dem Fluss naturgemäß nahezu keine Steigung aufweist, habe ich hier echte Probleme. Ich bin wirklich platt. Auf gerader Strecke fahre ich lediglich mit 14-17km/h und muss selbst dabei noch vereinzelte Tretpausen einlegen.
In Höxter angekommen, muss für das erfolgreiche Erreichen der Jugendherberge ja noch der Berg dorthin bezwungen werden. Ich setze an, schaffe auch noch ein ganzes Stück, muss dann aber doch kapitulieren und steige ab. Schiebend „bezwinge“ ich die letzten 300 Meter.
Erschöpft melde ich mich in der Jugendherberge an, beziehe mein Zimmer und gehe sofort unter die Dusche. Betont lang und warm genieße ich die wärmende Dusche, trinke eine Flasche Wasser nahezu in einem Zug und lege mich noch für eine halbe Stunde auf’s Bett. Dann gibt es endlich Abendbrot. Wie schon letzte Woche, gibt es auch dieses Mal nichts zu beanstanden. Heute steht Reis mit Tomatensauce und kleine gebratene Frikadellen bereit. Als Nachtisch gibt es dann noch sehr leckeren Karamelpudding.
Als letztes hänge ich noch Telefon und Fahrradcomputer an das Ladegerät. Zwei kleine Flaschen Bier später knipse ich das Licht aus schließe die Augen.

Tages-km: 142,33km
Fahrzeit: 07h 30min
VØ: 19km/h
Aufstieg: 1236Hm

02.11.2013 (Höxter-Brilon)

Heute Nacht werde ich erstmals einige Male wach. Weniger Bedenken wegen dem kommenden Tag, vielmehr die Erschöpfung machen mir offenbar zu schaffen. Der Puls ist deutlich schneller, als gewohnt. Am Morgen bin ich trotzdem einigermaßen ausgeschlafen. Ich packe meine Taschen schon zusammen und ziehe das Bett ab, bevor ich zum Frühstück gehe. Hier nehme ich mir zwei Brötchen und einige Scheiben Brot mit reichlich Aufschnitt, Käse und Marmelade. Hört sich bunt gemischt an, ist es auch, hat aber trotzdem geschmeckt.
Nachdem das Rad wieder beladen ist, spreche ich beim auschecken noch mit der Herbergsdame über meine heutige Etappe. Zufällig wählte ich für heute eine Strecke, die sowohl an ihrer heutigen Bleibe, als auch, in einem anderen Ort, an ihrem Geburtshaus vorbei führt. Zufälle gibt’s…
Sie sagt mir aber auch in einem Nebensatz, dass ich mir ja schon eine recht hügelige Strecke ausgesucht hätte. Das war eine Äußerung, die ich jetzt gerade nicht brauchte. Nun, es ändert nichts, irgendwie muss ich ja weiter kommen.

08:53-Start in Höxter
Bei leichtem Regen starte ich in meine heutige Etappe. Ich spüre die schlappen Beine noch, aber bei weitem nicht mehr so, wie noch gestern Abend. Ein wenig Bedenken hatte ich diesbezüglich ja schon …
Aber Recht hatte sie, meine Herbergsdame. Hügelig ist es heute wirklich. Immer wieder hoch und runter geht es von Ort zu Ort. Der Ort selbst liegt jeweils auf einer Anhöhe und zwischen den Orten „darf“ ich jedes Mal wieder einen kleinen Moment bergab fahren. Wirklich freuen kann mich das nicht, weil man schon den nächsten Hügel sieht.
Dann komme ich wieder auf die mir bereits bekannte Strecke Richtung Scherfede. Eigentlich hatte ich angedacht in der Scherfeder Raststätte ein „Scherfeder Schnitzel“ zu bestellen. Das ist ein Schnitzel mit Spiegeleiern, Pommes und Salat. Schon oft haben wir bei der Durchreise an diesem kleinen Rasthof eine Pause eingelegt. Scheinbar hat das Imbisslokal jedoch aufgegeben. Alle Fenster sind dunkel und auch im Schaukasten an der Wand hängt keine Speisekarte mehr, sehr schade!
Ich fahre also weiter. In Bredelar muss ich dann nach rechts in Richtung Brilon abbiegen. Ich kenne die Strecke und weiß, dass mich hier noch einmal eine anspruchsvolle Steigung erwartet. Direkt an dem Abzweig entdecke ich, unmittelbar neben dem dort ansässigen Saunaclub,  einen Imbiss, dem ich deshalb spontan einen Besuch abstatte. Ein leckeres Jägerschnitzel wird für mich zubereitet und ein alkoholfreies Weizen dazugestellt. Der Inhaber klagt sein Leid. Im Ort tut sich nichts mehr und die Stadtverwaltung würde sich kaum um diejenigen kümmern, die noch dafür sorgen, dass etwas Geld in die Kassen gespült wird. Wachsende Leerstände von Gewerbebetrieben und Geschäften seien die Folge. Ein Problem, das es wohl in vielen Gegenden gibt. Im weiteren Gespräch erinnert er sich dann daran, dass ich bereits letzte Woche hier durch den Ort gefahren bin. Zufällig muss er wohl gerade aus dem Fenster geschaut haben, als ich letzten Samstag an dieser Kreuzung in Richtung Marsberg abbog. Es ist immer wieder interessant, welche Zufälle so zustande kommen. Wir müssen schmunzeln. Als ich dann losfahre, wünscht mir der Wirt noch eine gute weitere Fahrt. Es sind jetzt nur noch knapp 15 Kilometer bis zu meinem heutigen Etappenziel in Brilon Thüren. Diese paar Kilometer müssen aber noch einmal richtig erarbeitet werden. Schon direkt nach dem Verlassen des Ortes geht es mit einer, noch harmlosen Steigung los. Die jedoch zieht sich in die Länge. Endlich geschafft, werden die mühsam erkämpften Höhenmeter kurze Zeit später gleich wieder zerstört, indem es kurz bergab geht. Schwung holen für die nächste Steigung. Dieses Mal heftiger und länger. Eine viele Meter hohe Metallskulptur, die auf einen Steinbruch der Rheinkalk Eifel-Sauerland GmbH hinweist lässt sich lange Zeit bestaunen. Ein Eisenmann mit Schaufel „arbeitet“ hier Tagaus Tagein auf dem Berg. Ich arbeite auch, damit ich endlich diesen letzten Berg für heute bezwinge – „GEDULD“ kommt es mir wieder in den Sinn und es trampelt sich schon leichter. Na ja, vielleicht auch nur NOCH langsamer …
Irgendwann ist diese Steigung auf der B7 dann auch geschafft und einige Meter später darf ich dann auch schon nach rechts abbiegen. Ein Wegweiser weist auf den Ortsteil Thüren hin. Hier rolle ich langsam hinunter in den Ort. Eile habe ich heute keine mehr. Es ist noch recht früher Nachmittag und ich komme heute mit der Tageszeit nicht mehr in Konflikt. Im Ort frage ich eine Frau nach dem Weg und wenige Minuten später klingele ich dann auch schon, wie angekündigt, bei Freunden.
Seit Jahren sehen wir uns heute das erste Mal wieder. Früher waren wir viel miteinander unterwegs, als wir noch unseren Wohnmobil-LKW hatten. Die heute besuchte Familie hatte zu dieser Zeit einen ehemaligen Bus, den sie zum Wohnmobil ausbauten. Als Familie mit fünf Kindern braucht man halt etwas mehr Platz. Es gibt heute Abend auf jeden Fall viel zu erzählen. Zum Abend bekomme ich am Tisch, zusammen mit der Familie, einen wunderbar schmeckenden Spießbraten serviert. Dann erzählen wir noch eine Weile und schauen uns viele Fotos von früher an. Irgendwann fallen mir dann aber fast die Augen zu und ich verabschiede mich in mein heutiges Nachtlager. Extra für mich räumte ein Familienmitglied das Zimmer, um mir eine Bleibe zu ermöglichen. Vielen Dank dafür!
Im Bett schaue ich noch einmal auf die Wetterprognose für morgen. Sehr vielversprechend schaut das nicht aus. Starkregen ist vorausgesagt mit Wind (26km/h) aus Südwest (genau da muss ich morgen hin) mit Sturmböen der Stärke 8-9 Bft. Das mag mir noch einmal etwas geben …

Tages-km: 78,96km
Fahrzeit: 04h 57min
VØ: 15,9km/h
Aufstieg: 887Hm

03.11.2013 (Brilon-Plettenberg)

Das war eine ruhige Nacht. So ein einsam stehendes Haus hat durchaus seine Vorzüge. Kein Verkehrslärm und auch sonst nichts störte die Nachtruhe.
Ich sortiere meine Sachen bevor ich hinauf zum Frühstück gehe, damit es gleich beim Aufbruch geordneter zugeht. Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Heftige Regenschwaden ziehen gemeinsam mit herabfallenden Blättern nahezu waagerecht entlang dem Haus. Es hilft nichts, da muss ich gleich durch. Aber zuerst wird noch gemütlich gefrühstückt.
Eine halbe Stunde später sieht die Welt plötzlich schon viel freundlicher aus. Zuerst scherze ich noch, als ich einen kleinen blauen Fleck am Himmel entdecke. Doch bald schon wird es wirklich heller und die Sonne lässt sich tatsächlich sehen. Das nenne ich mal ein deutliches Zeichen dafür, dass es jetzt die richtige Zeit zum Aufbruch ist.
Schnell packe ich meine Sachen ans Rad, bereite mir noch meine Tagesration an Getränken zu und verabschiede mich von meinen Freunden.

09:11-Start in Brilon
Mitleidig schauen sie mir hinterher, als ich gleich zu Beginn der heutigen Tour einen längeren, aber harmlosen Anstieg nach Brilon in Angriff nehme. Eigentlich hatte ich vor, die Umgehungsstraße der B7 zu meiden und durch den Ort zu fahren, um später wieder auf die B7 zu treffen. Irgendwie verhaspele ich mich dann aber im Zentrum von Brilon und treffe etwa auf der Hälfte der Strecke doch auf die Umgehungsstraße. Das hat sich dann doch nicht gelohnt. Da hätte ich auch gleich die Umgehungsstraße nehmen können. Egal, jetzt wo ich schon einmal hier bin, klinke ich mich natürlich in den Weg ein und folge weiter der B7. Auf freien Strecken, an denen der Wind freie Bahn hat, gehe ich an den Unterlenker, damit ich wenig Angriffsfläche bereitstelle. Meist aber verläuft die Strecke recht geschützt. Unerwartet schnell finde ich mich schon in Meschede. Dann sehe ich Schilder nach Wennemenn. Vier Kilometer sind es noch bis dorthin, wo ich sonst, wenn ich mit dem Auto auf dieser Route unterwegs bin, die letzte Autobahn vor zu Hause verlasse.

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In Freienohl biege ich an der Tankstelle nach links in Richtung Heimat ab. Ich weiß nicht, ob es lediglich eine Kopfsache ist, aber heute klappt alles richtig flüssig und problemlos. Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt genau weiß, was mich hinter der nächsten Biegung erwartet. Keine Steigung, und auch hier sind noch einige durchaus beachtenswerte Exemplare vorhanden, kann mich heute erschrecken. Zusätzlich aufmunternd gestaltet sich die Wetterlage. Sicher, der Wind ist vorhanden. Aber die angesagten Sturmböen und auch der Starkregen bleibt glücklicherweise aus. Sogar die Sonne sorgt auf weiten Strecken noch für Aufmunterung. Heute macht das richtig Spaß!
Die ganze Zeit freue ich mich schon auf die Strecke von Hellefeld nach Westenfeld vor Sundern. Hier geht es ganz leicht bergab und normalerweise lässt sich ohne große Anstrengung eine Geschwindigkeit von 50 km/h realisieren. Heute steht der Wind genau gegenan und ich komme nicht über Tacho 25 hinaus. Auch egal!
Bedenken hatte ich dann nur noch vor dem Anstieg am Ortsausgang von Sundern. Hier wähle ich dann auch wirklich wieder einmal den ersten Gang. Wirklich lästig ist mir das heute aber nicht. Schnell ist auch dieses Hindernis aus dem Weg geräumt und ich rolle einige Augenblicke später schon in Allendorf ein. Hier befinde ich mich schon auf meiner Hausstrecke, die ich auch sonst oft noch am Nachmittag befahre. Am Ortsschild schnell noch ein Foto gemacht, denn jetzt folgt nur noch ein recht harmloser Anstieg, bevor ich nach Plettenberg hinab rollen kann.

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Sicher geht das heute nicht so schnell, wie sonst mit dem „nackten“ Rennrad, aber wirklich lästig ist das jetzt auch nicht mehr. Nach etwa zwanzig Minuten habe ich diesen letzten Hügel geknackt und höre mit dem trampeln auf. Die nächsten knapp fünf Kilometer genieße ich. Allein die Gravitation sorgt dafür, dass ich mich dem Zielort meiner Reise nähere. Ohne eine einzige Umdrehung der Pedalen rolle ich breit grinsend bis hinunter zur Bundesstraße (B236). Jetzt nur noch zwei Kilometer gerade Strecke und ich stehe vor der Garage.
Genau, wie zum Start mache ich noch ein Bild. Dann wird das Rad entladen, der Anhänger abgehängt und alles in den Keller gestellt. Jetzt schnell in’s Haus – die warme Dusche wartet!

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Tages-km: 71,72km
Gesamt km: 636,36km
Fahrzeit: 04h 06min
VØ: 17,5km/h
Gesamt-Fahrzeit: 33h 47min
Aufstieg: 707Hm
Gesamt-Aufstieg: 5353Hm

 

Resumee

Wie ist nun der Schluss, den ich aus meiner Probetour in den Herbstferien gezogen habe?
Mit einigen Tagen Abstand zu der Tour muss ich sagen, dass mir das unterwegs sein, trotz der Strapazen aufgrund des vergleichsweise untauglichen Fortbewegungsmittels (Rennrad), der eigentlich nicht mehr so geeigneten Jahreszeit und auch trotz des wechselhaften Wetters großen Spaß machte!
Man kommt schnell zur Ruhe und genießt den Einklang mit sich selbst, dem Rad und der Umgebung. Dass man dabei das eine oder andere Mal auch einen Hügel verwünscht, der gerade nicht so richtig in diese Gemeinschaft hinein passt – nun gut, das denke ich, wird jeder kennen, der schon einmal mit dem Rad unterwegs war.

Was nehme ich an Erfahrungen für die geplante Deutschlandumrundung in 2014 mit?

Nun, ich denke, es wird in 2014 voraussichtlich keine komplette Umrundung geben.
Ich habe mir 26 Tage frei geschaufelt, die ich für die Reise nutzen kann. Wenn ich von etwa 4000km Strecke ausgehe, sind das satte 150km am Tag. Nach dieser Woche halte ich das doch für zu sportlich. Ich glaube nicht, dass eine solche Reise unter diesen Vorgaben noch Spaß macht. Sicher mögen es mal 150km sein, vielleicht auch noch mehr… aber jeden Tag?! Im Schnitt, so denke ich, werden knapp 100km als Tagesstrecke eher realistisch sein. Selbst das wird oft anstrengend genug sein.
Ebenso steht fest, dass ich NICHT mit dem Rennrad fahren werde. Aber das war ja sowieso schon klar. Das Tourenrad ist bereits bestellt und ich hatte ja sogar gehofft, bereits die Herbsttour damit fahren zu können. Das wäre schön gewesen, weil ich dann Defizite gleich erkannt hätte und im Winter hätte ausmerzen können. So werde ich im Frühjahr noch eine Wochenendrunde (vielleicht zusammen mit meinem Sohn) unternehmen und hoffe, dass das ausreicht.
Wichtig ist auf jeden Fall, das Gepäck zu überdenken. Jedes Teil, das in den Taschen verschwindet, muss wirklich notwendig sein. Werkzeug/Ersatzteile werde ich minimieren. Immerhin befinden wir uns in Mitteleuropa und sind so gut sortiert, dass ich annehme, dass bei einem außergewöhnlichen Defekt schnell eine Werkstatt auffindbar sein sollte, die weiterhelfen kann. Sicher, ein Ersatzschlauch wird natürlich weiterhin mit dabei sein.
Wichtig ist brauchbares Kartenmaterial. Bei dieser Tour hatte ich die BikeLine-Karte zum R1 Radweg dabei. Die war nicht schlecht, stieß aber schnell an ihre Grenzen, wenn ich von der vorgegebenen Route abwich. Dann hatte ich nur noch Handy und iPad zur Verfügung, was nicht besonders Praxistauglich ist. Das iPad ist, trotz iPad-Mini, zu groß für die Lenkertasche, das iPhone wiederum zu klein. Auch stelle ich mir die Stromversorgung nicht unproblematisch vor, wenn ich das Smartphone als ständige Navigationshilfe nutzen würde.

DANKE!

Jetzt möchte ich noch meinen Dank loswerden:

Mein Dank gilt zum einen unseren Freunden in Brilon, die mich am letzten Abend vor der Heimfahrt im Zimmer eines Familienmitgliedes unterbrachten. Vielen Dank für Tisch und Bett!

Und auch Danke an meinen Fahrradhändler, die Bike-Galerie in Plettenberg, die mir unentgeltlich einen Gepäckträger für das Rennrad überließen.

Ganz besonders möchte mich bei meiner Familie bedanken, dass sie mir diese Tour ermöglichte. In meinem Bekanntenkreis hörte ich mehrfach, dass so etwas mit deren Partnern nicht möglich wäre. Ich freue mich, dass es bei uns funktioniert, dass das gegenseitige Vertrauen solche Solotouren zulässt. Auch meinem Sohn gilt mein Dank, dass er für die Zeit meiner Abwesenheit auf seinen Dad verzichtete. Ob er mich wirklich vermisste …? – Ich weiß es nicht. Er hat sicher das Alter, dass die Eltern vielleicht auch teilweise lästig werden. Schön, dass er es uns, sollte es so sein, nur selten spüren lässt. Ich würde mich freuen, wenn es im nächsten Jahr vielleicht wirklich zu einer (oder mehreren) gemeinsamen Touren kommen würde.

Jetzt habe ich mich aber schon wieder verzettelt. Darum ging es hier gar nicht mehr.

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