Deutschland rund (Nord)

29.05.2014 – Tag 1

Der Start
Nach einer sehr kurzen und zudem noch unruhigen Nacht startete heute Morgen meine Deutschlandtour.
Mit dem Zug führen wir, das ist mein Freund Frank, der mich für drei Tage bis zur Nordsee begleitet und ich, nach Münster.
IMG 5478-1Dort startet dann die eigentliche Tour. Erst einmal müssen wir uns in der richtigen Richtung aus Münster entfernen. Den richtigen Weg finden wir recht schnell. Die grobe Richtung ist Enschede (NL). Hier ziehen wir die Regensachen über, da ein Ende des Nieselregen nicht absehbar ist. Vor Enschede schwenken wir aber auf Norden und steigen in die Umrundung ein. Ein Abschnitt, der für Räder gesperrt ist, zwingt uns, eine Alternative zu suchen. Das Garmin Edge 800 hilft dabei und zeigt uns zum Teil kleinste Pfade, die wunderschön durch Waldgebiete führen.
Eine Jugendherberge, die wir am frühen Nachmittag anfahren, erweist sich als geschossen, so dass wir noch etwa 35km weiter fahren müssen.
In Uelsen checken wir dann in der Wald-Jugendherberge ein und genießen nach der feuchten und kalten Fahrt erst einmal eine lange, warme Dusche, bevor wir einen nahen Gasthof besuchen.
Der Abend ist dann früh beendet…

Zusammenfassung Tag 1

Tages-km: 112,79 km
Fahrzeit: 06h 27min
VØ: 17,4 km/h
Tages-Aufstieg: 400Hm

 

 

30.05.2014 – Tag 2

Es wird freundlicher
Die Sonne lacht! Man sagt ja, wenn Engel reisen, dann lacht die Sonne. Bei mir sind es offenbar jedoch häufig Freudentränen… Nicht so heute. Schönster Sonnenschein begrüßt uns beim Blick aus dem Fenster der Jugendherberge in Uelsen.

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Nach dem Frühstück packen wir dann auch schnell die Räder und starten in einen schönen Tag.
Als Tagesziel wählen wir Leer in Ostfriesland. Ein Anruf bei der dortigen Jugendherberge sichert uns ein Zimmer.
Der Ort wird in’s Garmin Edge 800 eingegeben und wir lassen uns führen. Wie gestern wählt das Navi zum Großteil wunderschöne Nebenstraßen oder sogar Wald u. Wiesenwege für die Navigation. Ein Mal allerdings verhaspelt sich das Gerät und wir stehen vor einen Schild, das uns die Weiterfahrt untersagt. Das bringt uns einen Umweg von gut 15km, da wir nun entlang der Ems weiterfahren, die nicht gerade durch’s Land fließt, sondern sich in Bögen hindurch schlängelt. Als Entschädigung ist die Strecke ganz sicher interessanter, als die ursprünglich gewählte. Wir kommen dadurch auch noch unmittelbar an der Meyer-Werft in Papenburg vorbei. Erwartungsgemäß war dort natürlich kein Schiff zu bestaunen, imposant ist die Anlage trotzdem anzusehen.

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Von dort aus ist es nicht mehr weit bis nach Leer. Etwa 20km rechnet das Navi aus. Dennoch bedarf es an diesem Punkt einige Überredung, meinen Freund dazu zu bringen, nicht mit dem Zug nach Leer zu fahren, sondern auch noch die letzten Kilometer mit dem Rad zu bezwingen. Er hat Probleme mit seinem Knie.
Aber auch die letzten Kilometer schaffen wir und werden in einer topmodernen Jugendherberge empfangen. Gerade eben schaffen wir es noch, das Abendbuffet „abzufräsen“, bevor es abgeräumt wird. Dann beziehen wir das komfortable Zimmer und machen es uns mit ein paar Flaschen Gerstensaft bequem.

Zusammenfassung

Tages-km: 127,48 km
Fahrzeit: 06h 28min
VØ: 19,6km/h
Tages-Aufstieg: 165Hm

 

 

31.05.2014 – Tag 3

Der Gegner ist der Wind.
Nach einem ausgiebigen Frühstück von einem umfangreich angerichteten Buffet packen wir die Räder und verlassen die best ausgestattete Jugendherberge bei herrlichstem Sonnenschein.

DJH-Leer DJH-Leer-2

Wie üblich müssen wir wieder einmal erst die richtige Richtung aus dem Ort finden. Heute liegen laut Berechnung nur etwa 65km an, so dass dieser Tag ein geruhsamerer, als die vergangenen zu werden scheint.
Von Tag zu Tag bin ich begeisterter von dem kleinen Garmin Navi. Unser Tagesziel ist Dornumersiel. Im Navi eingetippt und schon geht es los. Die Routenwahl ist in meinen Augen absolut genial! Es werden wieder Strecken gewählt, die man selbst wahrscheinlich zum Großteil überhaupt nicht beachtet hätte. So weist einem das Garmin zum Teil den Weh in unscheinbare Pfade, die sich dann als wunderschöne Strecken herausstellen.

Pfad

Das einzige Manko an diesem schönen Tag ist der Wind. Egal, wo wir hinfahren, egal, in welche Himmelsrichtung wir uns bewegen – Der Wind ist gegen uns. Mühsam kommen wir meist gerade einmal mit 15 km/h voran. Franks Knie wird dadurch auch nicht besser. Er ist froh, dass dieses die letzte Etappe ist, die er mitfahren „muss“.
Wir kommen fast zeitgleich mit unseren Freunden aus der Laufgruppe an. Kathrin und Thorsten stehen hier auf dem Campingplatz mit einem Wohnwagen. Deshalb hatten wir diesen Ort als Treffpunkt ausgemacht. Frank wird dann morgen wieder mit den beiden nach Hause fahren, während ich dann die Nordseeküste entlang weiter in Richtung Osten abfahren werde.
Gemeinsam besuchen wir eine Bierbude, die gleich nebenan im Fischereihafen steht. Die Verkäufer sind überaus gut drauf und trinken fast mit jedem Gast mindestens einen Kümmerling. Dass im Laufe des Abends die Stimmung lockerer und die Sprüche schärfer werden, versteht sich von selbst.
Zum Schluss gibt der Inhaber noch eine große Salami aus, die er in Scheiben schneidet und den Gästen reicht. Hab ich so noch nie erlebt – Klasse!

Frank Wurst

Strand-Dornum

Nach dem Hafenbesuch schmeißt Thosten den Grill an und wir bekommen noch leckere Würstchen und Steaks.
Vielen Dank an Kathrin und Thorsten für den freundlichen Empfang und die Mühe, die sie sich mit uns machten.
Und auch mein Dank an Frank für die Begleitung. Das war eine schöne Fahrt und nette gemeinsame Stunden. Hat großen Spaß gemacht!
Ab Morgen geht meine einsame Tour los. Ich bin gespannt, wie ich damit zurecht komme …

Zusammenfassung

Tages-km: 73,59 km
Fahrzeit: 04h 14min
VØ: 17,3 km/h
Tages-Aufstieg: 114Hm

 

 

01.06.2014 – Tag 4

Der erste Tag allein
Morgens um sechs, noch vor dem aufstehen, höre ich Tropfen auf das Zelt fallen. Eigentlich sollte heute gutes Wetter sein. Ich stehe gegen sieben Uhr auf und baue dann gleich schnell das Zelt ab. NOCH ist es von den paar kleinen Tröpfchen nicht nass.
Nach einem gemeinsamen Frühstück packe ich den Drahtesel und mache mich, nachdem ich mich von allen verabschiedet habe, auf den Weg.

Das, was mich der Wind gestern nervte, hilft er mir heute. Meist schiebt er ein wenig mit. So macht das Fahren Laune!

Hafen-Wilh

In Wilhelmshaven stehe ich plötzlich vor einem Schild, das mich vor einem Militärischen Sicherheitsbereich mit Schusswaffengebrauch hinweist. Dummerweise soll aber genau hier meine Route durch gehen. Weil ich es nicht für eine gute Idee halte, über den Zaun zu klettern, suche ich Missmutig eine Alternativstrecke. Die ist recht holperig und es geschieht, was ich eigentlich schon lange erwartete:
Ein Halter der rechten, vorderen Packtasche (ein Ortlieb Frontroller) bricht und die Tasche hängt nur noch schief an einem Halter. Ein paar Kabelbinder helfen, die Tasche wieder in Position zu bringen. Beim Versuch, so weiter zu fahren, stelle ich fest, dass noch mehr Schaden entstand – das Vorderrad lässt sich kaum noch drehen :-/
Der untere Halter, der die Tasche am Träger fixiert, hatte sich bei der Aktion offenbar in den Speichen verhakt. Was nun? An der hydraulischen Magura Felgenbremse lassen sich die Bremsklötze sehr einfach ausclipsen. Das mache ich und der entstandene Freiraum reicht für das eiernde Vorderrad aus. Haken an der Sache ist natürlich, dass ich ab nun ohne die vordere Bremse fahre.

Defekt

In Dangast sehe ich am Straßenrand einen Fahrradverleih. Dort halte ich an und frage nach einem Speichenschlüssel. Solch wichtiges Werkzeug liegt natürlich zu Hause in der Werkzeugkiste – super Planung :-/ Mit dem Schlüssel ist der Schlag schnell wieder entfernt. Ich kann also den Bremsbelag wieder einsetzen und mit zwei intakten Bremsen weiter fahren.
Überall an den Schutzdeichen sehe ich Schafherden. Oft sind Jungtiere dabei, die lustig bölken und ihre Eltern suchen. Die kleinen laufen und tollen fast so herum, wie junge Hunde.

Schaf

Weiter geht es westlich des Jadebusens bis nach Nordenham, wo mich die Fähre über die Weser nach Bremerhaven bringt.
Hier komme ich privat bei einer sehr netten Gastgeberin unter. Da ich hier auch das W-Lan nutzen darf, kann ich die letzten Beiden Tage hier nachtragen.

Zusammenfassung

Tages-km: 139,79 km
Fahrzeit: 06h 51min
VØ: 20,4 km/h
Tages-Aufstieg: 110 Hm

 

 

02.06.2014 – Tag 5

Ein trister Tag
Nach dem Frühstück packe ich wieder das Rad und mache mich aus Bremerhaven auf den Weg.
Da ich die Nordsee nicht allzu spannend fand, (meist ist kein Wasser da 😉 ) wählte ich aus Bremerhaven den Weg quer durch das Land, anstatt weiter entlang der Küste.
Der Weg ist kürzer, aber auch deutlich langweiliger. Ich habe mir angewöhnt, nach etwa 30km eine Rast an einer Bäckerei einzulegen. Das war heute nicht möglich. Das erste Café an der Strecke finde ich erst nach über 70 km. Der Kuchen, den ich dort bestelle, entschädigt dafür – er schmeckt hervorragend.
Schon gut zwei Kilometer weiter stehe ich dann schon vor der Elbfähre von Wischhaven nach Glückstadt. Die nächste Pause.

Elbe1 Elbfähre

Weiter fahre ich in Richtung Brunsbüttel, wo der Nord-Ostsee Kanal beginnt. Auf dem Weg dorthin passiere ich Hautnah ein eher unschönes, ja in meinen Augen gefährliches Bauwerk, das Atomkraftwerk Brokdorf, das wir Sauerländer eigentlich nur aus den Medien kennen. Da jedoch nicht von der positiven Seite.

AKW-Brokdorf

Ein paar Kilometer später stehe ich mit meinem Rad schon auf der nächsten Fähre, die mich auf die nördliche Seite des Nord-Ostsee-Kanals bringt. Auf dieser Seite fahre ich noch etwa 20km, bis ich bei Burg einen Campingplatz, direkt am Kanal, finde. Dort baue ich mein Zelt auf und mache mich frisch. Dann fahre ich einen Kilometer zurück, wo ich beim vorbeifahren ein nettes Gasthaus an dem Fähranleger sah.
Bei einem Duckstein und einem leckeren Schnitzel lasse ich den Tag ausklingen.
Ich hoffe, morgen sehe ich die Ostsee…

Zusammenfassung

Tages-km: 131,25 km
Fahrzeit: 06h 35min
VØ: 19,3km/h
Tages-Aufstieg: 105Hm

 

 


03.06.2014 – Tag 6

Der Nord-Ostsee Kanal
Heute führt mich der Weg fast den ganzen Tag entlang dem Nord-Ostsee Kanal. Den NOK wählte ich deshalb, weil ich mir die Strecke hinauf nach Dänemark nicht besonders spannend vorstelle. Da der Kanal die Verbindung für die Großschifffahrt ist, um von der Nord- in die Ostsee zu kommen (und umgekehrt natürlich), wird hier einiges für’s Auge geboten.

Schiff auf dem Nord-Ostsee Kanal Schifffahrt auf dem Kanal

Zwischendurch mache ich Rast an einem Imbiss, direkt an einem Fähranleger. Hier bekomme ich eine leckere Currywurst und ein (alkoholfreies) Weizen.
Besonders ist auch die Schwebefähre in Rendsburg. Diese Fähre, die auch Hochbrücke genannt wird, ist eine Hängebahn über den Kanal hinweg. Sie „schwebt“ also nicht wirklich, sondern hängt an Seilen und Stäben unter dem hoch liegenden Brückenträger und bewegt sich oberhalb des Wassers von einer zur anderen Seite des Kanals.

Schwebefähre Rendsburg Schwebefähre Rendsburg

Hinter Rendsburg wird der, bis dahin überraschend gute, Radweg sehr schlecht. Es kamen hier zum Bau nicht die Betonplatten zum Einsatz, wie bis hierhin, sondern deutlich kleinere, die zudem noch Versätze haben. Das Rad poltert tierisch über die Platten und ich mache mir ernste Gedanken um die übrig gebliebenen Halterungen der Ortlieb Taschen. Zudem hängt sich die untere Halterung, bedingt durch die etwas labberige Montage mit den Kabelbindern, bei heftigen Schlägen gern einmal aus.
nach etwa 10 km wird es zum Glück wieder besser. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, die Route zu wechseln.
Nun fahre ich weiter in Richtung Kiel. Die Stadt scheint grundsätzlich sehr Fahrradfreundlich zu sein – großen Spaß macht es aber trotzdem nicht, durch eine solche Großstadt zu fahren.
Ich fahre schon eine ganze Zeit wieder in nördliche Richtung, als ich rechts von mir eine Wasserfläche wahrnehme. Das macht mich unruhig. Hier fahren auch sehr große Schiffe, weshalb ich hier sicher keine Brücke mehr erwarten kann. Fakt ist aber, dass ich weiter in Richtung Osten muss – und das ist nun einmal rechts von mir.
Ich frage einen netten Einheimischen, der mit seinem E-Bike unterwegs ist. Er führt mich freundlicherweise zu einem Anleger, von dem aus in regelmäßigen Abständen Schiffe fahren, die auch eine Fahrradmitnahme erlauben. Da ich wirklich keine Lust habe, mich noch einmal durch die Stadt zu quälen, wähle ich ein Schiff, das mich für 7,-EUR bis nach Laboe mitnimmt.

Ehrenmal in Laboe

Hier schaue ich mit meinem iPhone nach Jugendherbergen in der Nähe. Ich finde die Jugendherberge in Schönberg, bei der ich telefonisch einen Platz reserviere.
Dort angekommen checke ich ein, bleibe aber nur, weil ich jetzt nicht noch weiter fahren und suchen mag. Vollpension soll laut DJH-App EUR 25,60 kosten. Mir wird nach aktuellen Preisen EUR 41,30 berechnet. Das ist in etwa der gleiche Preis, wie der in der DJH in Leer, jedoch kann diese hier in keinster Weise mit Leer mithalten. Das Essen ist dürftig, Pizzastücken liegen lauwarm am (übersichtlichen) Buffet, Mineralwasser MIT Kohlensäure steht in Kannen bereit (welch Überraschung, dass von der Kohlensäure nichts mehr zu merken ist), Dusche/WC ist irgendwo auf dem Gang, … Heute egal, ich ärgere mich ein wenig, akzeptiere es aber. Die App zum suchen der Jugendherbergen werde ich ab heute aber eher vorsichtiger einsetzen und gleich beim Anruf schon nach dem Kurs fragen. Bei diesem Preis bin ich nicht mehr weit von einer Pension entfernt…
So, genug gejammert. Morgen geht’s weiter in Richtung Wismar. Mal sehen, wie weit ich komme…

Die Ostsee erreicht
Die Ostsee ist erreicht

Zusammenfassung

Tages-km: 102,14 km
Fahrzeit: 05h 20min
VØ: 19,1km/h
Tages-Aufstieg: 207Hm

 


04.06.2014 – Tag 7

Unerwartetes
Nach dem dürftigen Abendessen gestern Abend, war ich angenehm überrascht über das Frühstück. Reichhaltig und lecker! Nach der Stärkung wird, wie schon gewohnt, das Rad gepackt und die heutige Etappe beginnt. Wie üblich, tue ich mich erst einmal schwer, aus dem Ort die richtige Richtung zu finden. Dann aber fahre ich auf gut ausgebauten Radwegen entlang der Bundesstraßen in Richtung Travemünde. Ich wähle nicht, die Küstenstrecke, sondern die Strecke durch den Nationalpark Holsteinische Schweiz. Dementsprechend kommen einige Steigungen zusammen. Die geschwungene Landschaft entschädigt hierfür. Viele nette Aussichten zeigen sich.

Holsteinische Schweiz Haus am See in der Holsteinischen Schweiz

Zwischendurch weisen mich die Radwegweiser bei Schönwalde in die Irre. Ich möchte gern nach Neustadt und plötzlich sehe ich einen Wegweiser dorthin. 10,8km sollen es sein. Gut, ich folge dem Hinweis, fahre eine recht üble Strecke durch einen Wald, um dann, natürlich nach einer Steigung, vor einem weiteren Wegweiser zu stehen, der eine Restentfernung von 12,4km angibt. Hier stimmt doch irgendwas nicht. Ich frage eine Anwohnerin, die sich um ihre Gartenanlage kümmert. Sie sagt mir, dass ich hier vollkommen falsch bin, um nach Neustadt zu gelangen. Sie gibt mir den richtigen Tipp und von da an gelingt es auch.
In Neustadt sind Radwege entlang der Straße ausgeschildert, die unter aller Kanone sind. Das sorgt dafür, dass sich meine Notreparatur mit den Kabelbindern verabschiedet. Ist ja auch irgendwo kein Wunder, wenn das ganze Gewicht der Tasche nur an diesen lumpigen Plastiklaschen hängt…
Mit den letzten beiden Kabelbindern, die ich noch dabei habe, flicke ich die Notreparatur wieder. Aber es ist abzusehen, dass das nicht das letzte Mal gewesen ist, dass mich dieses Problem ereilen wird. Deshalb halte ich an einer Autowerkstatt, an der mir der nette Werkstattmeister 10 weitere Kabelbinder schenkt. Vielen Dank!
Ich frage noch nach dem günstigsten Weg nach Travemünde und fahre weiter. In Travemünde nutze ich die Fähre, um mir das Gewühl in Lübeck zu ersparen.
Gleich hinter Travemünde beginnt dann der Ostsee-Küstenradweg. Ich freue mich auf ein entspanntes radeln entlang der Küste…
Hat sich was – der Küstenradweg entpuppt sich als übelst hügelige Angelegenheit. Ständig wechselt die Höhe von Meereshöhe auf die höheren Lagen der Steilküsten. Teilweise muss ich vorn das kleine Kettenrad bemühen, um die teilweise richtig heftigen Steigungen zu bewältigen. So hatte ich mir das hier nicht vorgestellt. Unterwegs mutmaße ich sogar, die Hügel wurden extra für die Touries angeschüttet ;-). Eine schöne Strecke ist es trotzdem. Leider musste ich mich so ärgern, dass ich kaum mehr an Bilder dachte… Eines aber, was mir besonders gefiel – eine Streckenführung über eine Bretterkonstruktion über sumpfiges Gebiet:

Ostsee-Küstenradweg

Die weitere Strecke bis nach Wismar gestaltet sich ähnlich hügelig, so dass an diesem Tag unerwartet viele Höhenmeter zusammen kommen.
Als Unterkunft wähle ich heute die Jugendherberge in Wismar. Vergleichbar teuer, wie die gestrige, aber heute, an meinem Geburtstag, möchte ich das Zelt nicht aufbauen.
Es ist, glaube ich, das erste Mal. dass ich meinen Geburtstag fern von daheim und dazu noch allein erlebe. Das ist schon ein komisches Gefühl – die daheimgebliebenen fehlen mir!
Jetzt muss ich hier allein anstoßen – und dafür braucht man zwei Flaschen… Prost!

Zusammenfassung

Tages-km: 135,35km
Fahrzeit: 06h 58min
VØ: 19,4km/h
Tages-Aufstieg: 845Hm

 

 


05.06.2014 – Tag 8

Regenfahrt
Das Frühstück in Jugendherbergen scheint immer gleich. Die scheinen alle den gleichen Lieferant zu haben. Das ist jetzt keineswegs negativ gemeint – das Frühstücksbuffet ist durchweg umfangreich und reichhaltig. Wer da nicht findet, der sucht nach Fehlern…
Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Der Himmel ist verhangen und tief dunkle Wolken tummeln sich daran. Während dem Frühstück beginnt es auch schon mit regnen. Das wird also, nach dem Starttag, der erste Regentag. Ich nehme also die Regenbekleidung, Überschuhe und Sattelabdeckung aus den Taschen und packe dann das Rad zur weiteren Etappe.

Von Wismar aus halte ich mich auf der B105 in Richtung Rostock. Wirklich keine schöne Strecke. Meist existiert neben der Bundesstraße kein Radweg und wenn doch, dann nur für ein paar Meter, wo man sich nach wenigen Minuten ärgert, überhaupt von der gut asphaltierten Straße herunter gefahren zu sein.
Vor Rostock halte ich mich dann auf Warnemünde. Ich möchte das Fischland Darß und Zingst mit in die Tour einbeziehen. In Zingst hatte meine Oma Verwandschaft, was wir, auch lange vor der Wiedervereinigung, oft für Besuche nutzten. Hier bin ich gespannt, was sich alles geändert hat. Es sind ja nun schon einige Jahre her, dass ich das letzte Mal dort war.
Mit der Fährüberfahrt an der „hohen Düne“ in Warnemünde wird das Wetter freundlicher.

Warnemünde

Zumindest erst einmal trockenen Hauptes fahre ich weiter in Richtung Seeheilbad Graal-Müritz. Radwegschilder weisen nach links in einen kleinen Waldweg, während die Straße weiter geradeaus führt. Ich versuche es, wende aber schon nach weniger, als 200 Metern, weil es sich bei diesem Weg um eine übelst sandige Piste handelt, in die meine schmalen Räder tief einsinken und selbst sehr langsame Fahrt äußerst Kräftezehrend ist. Also weiter entlang der Straße. Hier sind zum Teil sehr schöne Radwege angelegt, die etwas abseits der Straße, dennoch aber in Sichtweite verlaufen.

Radweg am Fischland Darß

Storchennest

Ein paar Kilometer weiter entdecke ich auf einem Mast ein großes, besetztes Storchennest. Leider klappt es nicht mit einem scharfen Foto, aber ich glaube man erkennt doch etwas.

Weiter geht es vorbei durch bekannte Urlaubsorte, wie Born oder das Ostseebad Ahrenshoop in Richtung Prerow.

Hier in Prerow mache ich einen kurzen Stopp am Hafen, um mir dort ein leckeres Fischbrötchen zu gönnen. Hier macht sich gerade ein Ausflugsdampfer in Form eines Raddampfers zur Abfahrt bereit. Schaut aus, wie ein Schiff auf dem Mississippi 😉

Der Hafen im Ostseebad Prerow Raddampfer kurz vor der Abfahrt

Die letzten Kilometer bis nach Zingst folge ich dem Radweg auf dem Dünenkamm. Durch Zingst muss ich mich mühsam durch die Touristen zwängen und immer aufpassen, dass ich nicht mit der breiten Gepäckrolle an den Menschen oder Fahrrädern hängen bleibe.
Schnell finde ich, trotz der vielen Jahre den Hof meiner Tante wieder. Sie ist mittlerweile 88 Jahre alt und ich war nicht sicher, ob sie überhaupt noch dort lebt.

Der Hof meiner Tante in Zingst Das Haus
wiese
Und auch die freie Wiese, auf der ich schon als Kind
Drachen steigen ließ, gibt es noch …

Zuerst ist sie erstaunt und weiß mich nicht zuzuordnen. Nachdem ich ihr aber etwas auf die Sprünge helfe, ist die Freude groß. Während sie schnell noch etwas zu Essen vorbereitet, hole ich im nahen NETTO-Markt Kuchenteilchen für den Nachtisch. Freundlicherweise bietet sie mir ein Zimmer für die Nacht an, was ich gern in Anspruch nehme.
So, und jetzt werde ich noch einen Moment runter gehen und mich mit ihr unterhalten…

Zusammenfassung

Tages-km: 138,04km
Fahrzeit: 06h 40min
VØ: 20,7 km/h
Tages-Aufstieg: 351Hm

 

 


06.06.2014 – Tag 9

1000km!
Der Blick aus dem Fenster erhellt nicht nur das Zimmer, sondern auch das Gemüt. Herrlichster Sonnenschein begrüßt mich heute Morgen. Meine Tante hat bereits das Frühstück vorbereitet. Ich halte mich hier natürlich ein wenig zurück – kann ja unterwegs noch irgendwo anhalten…
Etwas später, als gewöhnlich, starte ich auf die heutige Etappe. Sie führt mich zuerst wieder aus Zingst heraus zur Meiningenbrücke, eine Drehbrücke, die zwei Mal täglich öffnet, um Booten die Durchfahrt vom Zingster in den Bodstedter Bodden zu ermöglichen.

Zingster-Strom Meiningenbrücke

Weiter geht es über einen, scheinbar neuen, Radweg über den alten Bahndamm. Zu DDR-Zeiten kann ich mich erinnern, dass hier oft laaange Züge mit militärischen Geräten standen. Zu der Zeit sicher keine gute Idee, sich die Sache näher zu betrachten. Deshalb ist es heute das erste Mal, dass ich hier überhaupt entlang fahre – ein Versäumnis! Es ist ein wirklich schöner Abschnitt.
Barth umfahre ich außen an der Hafen(Bodden)-Seite und folge den Hinweisen auf eine Radverbindung nach Stralsund. Das sollte eine gute Wahl sein. Ein super ausgebauter, wunderschöner Waldweg, der teilweise unbefestigte, aber gut fahrbare Abschnitte, meist aber asphaltierte Strecken aufweist.

Barther Bodden Angler auf Barther Bodden
Bodden vor Stralsund Rast am Bodden vor Stralsund
Radweg von Barth nach Stralsund Radweg von Barth nach Stralsund
Schönes am Wegesrand

In Stralsund finde ich einen Radladen (Fahrrad-Handel-Heiden), der mir. als erster Laden seit Wilhelmshaven, mit meinem Packtaschenproblem weiterhelfen kann. Er hat zwar keine Ersatzteile, aber zumindest neue Frontroller im Angebot. Schnell sind die an meinen Träger angepasst und der Inhalt ausgetauscht. Ich demontiere von den alten Taschen noch die intakten Halter als eiserne Reserve (naja, ist ja eigentlich Kunststoff). Die alten Taschen schickt der freundliche Händler nun zu mir nach Hause – das nenne ich mal Service.
Auf meine Frage, wie ich denn nun am besten in Richtung Greifswald komme, antwortet der Radhändler ohne jedes schmunzeln „mit der Bahn“. Ich frage nach dem Grund und er antwortet, dass die Bundesstraße keinen Radweg aufweist und zudem eine Mindestgeschwindigkeit von 30km/h vorschreibt. Die Alternativstrecke missfällt durch etwa 30km übelstes Kopfsteinpflaster. Da ich nicht gleich wieder nach einem Radhändler suchen möchte, nehme ich seinen Rad an und kaufe ein Ticket für mich und Rad nach Greifswald.

Neue Ortlieb-Frontroller

Was mir hier andererseits auffällt, ist, dass der Radhändler scheinbar ein Ausnahmefall ist. Die Freundlichkeit, die mich in Ostfriesland auf den Strecken immer sehr begeistert hat, ist verschwunden. Kaum jemand grüßt zurück. Es ist schade, aber ich gewöhne mir an, nur noch erkennbare Reiseradler zu grüßen. Die anderen schauen nur blöd zurück… Anders ist es auch nicht in den Läden. Eine Busfahrerin kommt mir entgegen, während ich an einer Autoschlange vorbei fahre. Obwohl sie mehr als drei Meter Platz zur rechten Seite hat, macht sie keinen Platz. Mehr noch, sie erwartet, dass ich zurück schiebe und mich zwischen die haltenden Autos quetsche – falsch gedacht, nicht mit mir, dann muss sie halt mit der Weiterfahrt warten – selbst schuld! Nur ein Beispiel von vielen kleinen. Wie gesagt, ich finde es schade.

In Greifswald steige ich aus dem Zug und fahre weiter über die B109 über Anklam in Richtung Ferdinandshof. Damit verabschiede ich mich auf meiner Reise von der Ostsee. Die B109 hat selten Radwege und ist zumindest bis zum Abzweig nach Usedom sehr stark befahren. Die Autofahrer halten aber ausreichend Abstand und durch den guten Belag komme ich, trotz Gegenwind (wie auch sonst), vergleichsweise gut voran.
In dem kleinen Ort Ducherow sehe ich an einem Grundstück eine Hinweistafel auf ein freies Zimmer mit Dusche. Ich klingele und bekomme das Zimmer zu 25,- EUR.
Somit ist die heutige Etappe nach nur 107 Kilometern beendet. Gegenüber ist ein Getränkemarkt und ich kann das abendliche Ritual vorbereiten…

Feierabend

Ach ja, das Tagesmotto: Die ersten 1000 Kilometer sind geknackt!

Zusammenfassung

Tages-km: 107,62km
Fahrzeit: 05h 35min
VØ: 19,2km/h
Tages-Aufstieg: 330Hm

 

 


07.06.2014 – Tag 10

Oder, oder was?
Die Wahl der Unterkunft war super. Nachts leise, bequemes Bett – was wünscht man sich mehr?
Am Morgen gehe ich noch einmal rüber zum Netto-Markt und organisiere mir mein Frühstück. Dann wird das Rad wieder gepackt. Das klappt mittlerweile alles bestens. Man bekommt Routine.
Kurz nach neun bin ich wieder „on the Road“.
Bis nach Pasewalk folge ich noch der B109. Wie gestern keine wahre Freude. Schlechte, oder keine Radwege an der Bundesstraße machen die Fahrt nicht gerade zu einem angenehmen Erlebnis. Meist halten die Autofahrer aber entsprechenden Abstand. Ich gewöhne mir bereits eine aggressive, aber eigennützige Fahrweise an.
Wenn kein Gegenverkehr kommt, fahre ich schön rechts. Sobald aber Gegenverkehr da ist, setze ich meine Spur auf die rechte Autospur, also die Spur der rechten Räder. Somit ist ein überholen unmöglich. Sicher, mache ich mir damit nicht unbedingt Freunde, aber diese Vorgehensweise sorgt für mein Überleben. Wenn die Autofahrer auch zähneknirschend und ins Lenkrad beißend hinter mir bleiben – sie bleiben hinter mir und überholen nur da, wo ich es als ungefährlich erachte. Trotzdem bin ich froh. als ich in Pasewalk die blöde Bundesstraße verlassen kann und „über die Dörfer“ weiter fahre. Hier ist kaum noch Verkehr und die paar Autos stören nun wirklich nicht.

Wer der Navigation mächtig ist und mit Karte und Zirkel umgehen kann, wird herausfinden können, wo ich mich hier gerade befinde:

Hinweisschild in Fahrenwalde

Über schöne, kleine Sträßchen und über ansprechende Alleen gelange ich immer weiter in Richtung Oder.

Nette Location zwischendurch Straße irgendwo
Allee

Die Gegend direkt vor der Oder wirkt vergleichsweise ärmlich. Die Dörfer sind recht runter gekommen, die Straßen sind nicht asphaltiert, sondern noch immer mit furchtbar holperigem Kopfsteinpflaster belegt.
Umso erstaunter, ja positiv überrascht, bin ich, als ich den Oder-Neiße Radweg erreiche. Super sauberer Asphalt begrüßt mich an der Oder.

Oder-Neiße Radweg

Erstaunt bin ich auch, dass der Weh nicht nur an der Oder entlang führt, sondern zwischenzeitig auch durchaus fern des Flusses durch Wälder.

Auch der Oder-Neiße Radweg

Nach gut 110km hab ich dann heute aber keine Lust mehr. Das kann auch daran liegen, dass mir einfach die Getränke ausgegangen sind. Wie dem auch sei – es reicht für heute…
In Schwedt finde ich einen Campingplatz im Sportbootzentrum und baue mein Zelt auf.

Zelt

Nach der Dusche suche ich umgehend eine Gaststätte, um ein wenig Kalorien wieder aufzufüllen. Ich beginne mit einem, nein zwei leckeren Bieren und bestelle mir dann noch ein großes Schnitzel.
Eigentlich sollte ich hier auf dem Platz WLan haben – leider ist dem nicht so. So muss ich leider noch einen Tag warten, bis ich die Daten auf meinen Server bekomme. Die Gegend hier ist wirklich sauschlecht erschlossen – noch schlimmer, als Landemert 😉

Der Blick vom Biergarten in Schwedt auf die Oder

Morgen fahre ich die Oder weiter Flußaufwärts – mal sehen, was mich erwartet…

Zusammenfassung

Tages-km: 113,94km
Fahrzeit: 05h 57min
VØ: 19,1km/h
Tages-Aufstieg: 358Hm

 

 


08.06.2014 – Tag 11

Natur pur
Die Nacht war heute eher bescheiden. Mitten in der Nacht ertönte irgendwo im Umfeld über bestimmt 10 Minuten eine Alarmhupe. Dann arbeitete ständig irgendein Aggregat im näheren Umfeld… Das fehlende W-Lan hatte ich ja bereits gestern erwähnt. Insgesamt eine eher nicht empfehlenswerte Möglichkeit zu nächtigen. Selbst die Brötchen schaffen sie nicht, so, wie gestellt, bereit zu stellen.
Naja – abhaken und losfahren.

Nachdem alles zusammen gepackt ist, starte ich zu Etappe 11 meiner Tour. Heute fahre ich entlang der Oder gen Süden. Viel gibt es nicht zu erzählen. Das heißt aber keineswegs, dass es kein schöner Tag war! Ganz im Gegenteil! Einen so schönen Radweg, wie den nördlichen Teil des Oder-Neiße Radwegs, habe ich noch nie befahren. Stets mit erstklassigem Bodenbelag und abseits jedem Autoverkehrs, führt der Radweg direkt durch die Natur. Nicht nur entlang der Oder, sondern ebenso vorbei an ausufernden Flutwiesen führt der Weg stets abseits des Verkehrs im Bereich der Oder entlang. Ich bin wirklich schwer begeistert und lasse einfach ein paar Bilder sprechen:

Der Oder-Neiße Radweg Der Oder-Neiße Radweg
Der Oder-Neiße Radweg Der Oder-Neiße Radweg
Verlassene Gebäude am Oder-Neiße Radweg Flutwiesen am Oder-Neiße Radweg
Der Oder-Neiße Radweg Der Oder-Neiße Radweg
Der Oder-Neiße Radweg

Auf dem Weg finden sich, für uns Mitteldeutschen, recht ungewohnte Schilder:

otterwechsel

Etwa zehn Kilometer vor Frankfurt (Oder) wendet sich dann das Bild. Ich muß die Oder verlassen und der offizielle Radweg verläuft fortan wirr durch die Gegend. Quer durch die Orte, hoch und wieder hinab, kreuz und quer – Spaß mach das nicht. Das Wetter, wie haben etwa 35°C, macht die Sache nicht angenehmer. Mittlerweile habe ich schon wieder zu wenig Wasser in den Flaschen, was mir arge Bedenken macht, weil eine Unterkunft noch nicht in erreichbarer Nähe scheint. An dem Zu Hause der Bundespolizei in Fankfurt (O) fahre ich an die Pforte und bitte den (netten) Beamten darum, meine Flaschen nochmals aufzufüllen. Das macht er gern, macht mir in Sachen Unterkunft aber keine große Hoffnung.
Ich fahre weiter und komme an einigen „Zimmer frei“ Schildern vorbei. In dem Moment, in dem ich angebe, allein zu sein und nur für eine Nacht eine Unterkunft zu suchen, ist dann „plötzlich“ alles belegt. Was für ein Zufall… :-/
Das gleiche widerfährt mir noch mehrere Male und mir wird zum Teil auch direkt ins Gesicht gesagt, dass sich eigentlich kein Vermieter mehr Übernachtungen, nur für eine Nacht antut. Seltsam, an solchem Radweg…
Ein Stück weit südlich von Frankfurt, in Brieskow-Finkenheerd, frage ich dann noch einmal in einem kleinen Fisch-Gasthaus (www.Fischer-Schneider.de) an. Was ein Wunder, denke ich – auch hier hat „gerade vor fünf Minuten“ ein Gast eingecheckt. Aber die nette Dame gibt ´mir einen Zettel mit weiteren Zimmern im Ort und rät mir, gleich ein paar Meter weiter zu fahren, um dort zu fragen. Ein guter Tipp, denn hier werde ich freundlich empfangen. Ein tolles Zimmer zum guten Preis. Ich springe schnell unter die Dusche und fahre gleich die paar Meter zurück zu der Fischgaststätte, um dort meine Kalorien wieder aufzufüllen. Was soll ich sagen – sehr leckere Speisen und eine freundliche Bedienung – ein absolut empfehlenswertes Haus. Die „Geschichte“ mit den fünf Minuten nehme ich der Frau auch wirklich ab…

Ich hoffe, Morgen hat die Sache mit dem kreuz und quer schnell ein Ende und ich sehe die Oder wieder.
Wir werden sehen und ich werde schreiben …

Hier noch ein kleines „Selfie“ von unterwegs:

selfie

Zusammenfassung

Tages-km: 151,57 km
Fahrzeit: 07h 43min
VØ: 19,6km/h
Tages-Aufstieg: 309Hm

 

 


09.06.2014 – Tag 12

Durststrecke
Das Zimmer heute Nacht war ein Glücksgriff. Bestens geschlafen kam ich soger etwas verspätet zum Frühstück. Nicht so reichhaltig, wie am Buffet einer Jugendherberge, jedoch absolut ausreichend ist der Tisch für mich gedeckt.
Danach packe ich, wie üblich die Taschen mehrmals zusammen (ich vergesse immer eine Kleinigkeit), packe das Rad und fülle die Trinkflaschen.
Dann geht’s wieder auf Tour. Beim hinausgehen sehe ich direckt auf dem Nachbargrundstück ein interessantes Bild. Offenbar mag hier jemand seine ehemaligen Fahrzeuge nicht abgeben und hortet sie im Garten:

Autofriedhof

Glücklicherweise ist die uninteressante Strecke durch Frankfurt/Oder jetzt vorbei. Gleich nach verlassen des Ortes komme ich wieder auf ansprechend Radwege, die durch sehr schöne Gegenden führen.
Das Problem ist heute die extreme Temperatur vo satt über 30°C. Bei solchen Temperaturen ist der Trinkwasserbedarf selbstredend deutlich höher, als normal. So mache ich mich auch schon nach etwa 50km auf die Suche nach einer Nachfüllmöglichkeit. Doch das ist hier offenbar ein Problem. Ich finde wirklich keinen Biergarten, keinen Kiosk, keine Imbissbude an der Strecke.
Ein Schild zeigt mir, dass ich hier unerwünscht bin:

Streckensperrung

Ich versuche trotzdem mein Glück, in der Hoffnung, dass die Sperrung nicht aufgrund einer abgerissenen Brücke hervorgeht. Ich habe Glück. Lediglich knapp zwei Kilometer lang ist eine Baustelle, die es auf Schotter zu meistern gilt. Glücklicherweise ist heute Feiertag – wer weiß, wie es in Verbindung mit aktiven Bauarbeiten ausgesehen hätte…

Baustelle

Nach etwa 70km, mein Flüssigkeitsvorrat ist lang aufgebraucht, sehe ich endlich ein Schild, das auf einen Imbiss in 800m hinweist. Ich weiche von der Strecke ab und quaele mich ein extrem steiles Stück übles Kopfsteinpflaster hinauf. Als ob das nicht genug ist, muss ich auch noch eine steile Baustelle durchfahren.
Dann bin ich endlich an dem angekündigten Imbiss – leider ist der aber zu. Ich bin sauer!
Nach weiteren fünf Kilometern komme ich dann´, wieder auf der Route, endlich an einem kleinen Imbisswagen an. Das Angebot ist zwar recht übersichtlich, zu Essen gibt es lediglich Bockwurst, aber das ist mir egal. Ich bekomme in erster Linie etwas zu trinken und kann meine Flaschen wieder auffüllen.
Jetzt kann ich mich auch wieder auf die Strecke und die Gegend konzentrieren und nicht nur auf den gefährlich niedriegen Flüssigkeitshaushalt.

Eine Industrieruina am Oder-Neiße Radweg Auch ungewöhnliche Gefärte trifft man unterwegs - ein vollverkleidetes Liegerad
Unterwegs auf dem Radweg Weite Wiesen entlang des Radwegs

Besonders interessant und bei uns daheim überhaupt noch nie gesehen, ist folgende Beschilderung:

Radstraße

Am Ortsausgangsschild weist ein Schild darauf hin, dass hier motorisierte Fahrzeuge nichts mehr zu suchen haben. Ein niederländischer Mitbürger, ja, es war wirklich einer, hat das offenbar noch nicht so ganz erfasst.
Nach gut 110 km sehe ich dann ein Schild, das auf eine Bike-Rast Stelle aufmerksam macht. Ich weiß nicht, was sich dahinter verbirgt und folge der Beschilderung. So erreiche ich den „Glockenhof“, wo mich auch sofort der „Glöckner“ begrüßt. Er zeigt mir ein freies Zimmer, eigentlich ist es eher eine kleine Ferienwohnung, in der durchaus fünf Personen Platz finden könnten, und zeigt mir den Hof, auf den er, zu recht, sehr stolz ist. Nach dem Duschen in einem ehemaligen Schweinestall, der Stilvoll zum Sanitätsgebäude umfunktioniert wurde, setze ich mich zu den anderen Radlern und lasse mir das Bierchen schmecken. Da das etwas länger dauert und „plötzlich“ das Sonnenlicht aus ist, klappt es heute nicht mehr mit Bildern vom Glockenhof. Die werde ich morgen nachreichen…

Zusammenfassung

Tages-km: 114,92 km
Fahrzeit: 05h 38min
VØ: 20,4 km/h
Tages-Aufstieg: 225Hm

 

 


10.06.2014 – Tag 13

Durchhänger
Zuerst einmal, wie versprochen, die Bilder, die ich gestern Abend nicht mehr machen konnte, da „plötzlich“ das Sonnenlicht ausgeknipst war:

Der Glockenhof - das Wohnhaus Der Glockenhof - Nebengebäude

Glockenhof - mein Heim
Glockenhof - mein Reich Glockenhof - mein Reich (sorry für die Unordnung)

Nach einem leckeren Frühstück und der wieder freundlichen Unterhaltung durch Glöckner und Glöcknerin, beginnt die gewohnte Packprozedur. Mittlerweile gelingt das wunderbar.
Ich habe mir angewöhnt, keinerlei Schränke oder Schubladen zu nutzen, sondern meine Sachen einfach irgendwo hin zu legen. Teilweise sieht man das auf den Bildern. Das hat für mich den Vorteil, dass ich nichts in der Unterkunft vergesse. Zum Schluss gehe ich noch einmal in das Zimmer, schaue mich intensiv um – und wenn dann nichts mehr herum liegt, dann habe ich alles wieder dabei. Bis jetzt hat das immer bestens geklappt.
Kurze Zeit, nachdem ich aufbrach, treffe ich auf den Fürst Pückler Park in Bad Muskau. Ein wunderschöner Landschaftspark, der eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit erfordert, als ich ihm zukommen lassen kann.

Fürst Pückler Park

Wieder einen Moment später verpasse ich einen Abbiegehinweis für den Radweg, merke das aber erst viel zu spät, so dass ich nicht mehr zurück fahren möchte. Ich wähle eine Alternativroute, die mich nun nach Bautzen führen soll. Die Strecke ist zuerst zwar recht gut fahrbar, jedoch nicht sehr interessant. Über eine sehr gut ausgebaute Bundesstraße „darf“ ich mir über mehrere Kilometer die vielen Kühltürme eines Kohlekraftwerks ansehen. Dazu noch sehe ich wieder einmal am Straßenrand die Schilder für ein militärisches Sperrgebiet. Dieses Mal aber zu beiden Seiten. Offenbar führt die Straße mitten durch dieses Übungsgebiet hindurch…

Kohlekraftwerk

Kurze Zeit später aber sehe ich einen Hinweis der einen Radweg nach Bautzen signalisiert. Diesem folge ich und habe sofort nichts mehr mit der Bundesstraße zu tun. Wunderschön schlängelt sich der Weg am Rande eines Tagebaugebietes entlang, ohne aber die negativen optischen Eindrücke des Tagebaus zu zeigen.

Radweg am Tagebaugebiet

In Bautzen angekommen, wähle ich einen Weg nach Neukirch in der Lausitz. Diese Strecke gibt mir heute den Rest.
Ständig auf und ab, dabei mit sehr langen Steigungsstrecken, die bei der heutigen Temperatur, das Thermometer zeigt bis zu 39 Grad im Schatten, überaus fordernd sind. Nach etwa 80 Kilometern ist heute die Luft raus. Ich suche mir bereits kurz vor 15:00 Uhr ein Zimmer, nutze die „Regenmaschine“ und lege mich erst einmal ein paar Stunden hin, bevor ich zum Abend hin in den Biergarten des Hauses gehe, die Daten auswerte und diesen Bericht schreibe. Ich hoffe, es kühlt sich morgen etwas ab…

 

Zusammenfassung

Tages-km: 81,12 km
Fahrzeit: 04h 47min
VØ: 16,9 km/h
Tages-Aufstieg: 400Hm

 


11.06.2014 – Tag 14

Berge
Dach dem, heute eher dürftigen, Frühstück, packe ich das Rad und mache mich pünktlich um 09:00 Uhr auf den Weg.
Von Neukirch aus fahre ich erst einmal die Strecke weiter, um ein paar Kilometer später in Richtung Neustadt in Sachsen abzuzweigen. Die Strecke ist zwar nicht besonders attraktiv, da recht viel befahren, landschaftlich aber teilweise durchaus nett anzusehen.

Hauptstraße
hier Beispielsweise ein wunderschönes lila Blütenmeer

Ein wenig später stehe ich mit dem Handy in der Hand und ratlosem Blick am Wegesrand, – hatte ich schon erwähnt, dass ich neben Garmin und Handy ohne weitere Karten fahre? – als ein anderer Radfahrer hält und mich fragt, wohin ich denn möchte. Hmmm, wie erklärt man so etwas?! Ich sagte, ich möchte gen Westen, um dann nach Süden abzuzweigen. Er gibt mir den Tipp, den Fernradweg D4 (Zittau-Aachen) zu wählen, um von dort aus irgendwo nach Süden auszusteigen. Mein Weg liegt in etwa auf seiner Route, so dass er so freundlich ist, mich zum D4-Einstieg zu begleiten.

Mein freundlicher Helfer

Der Deutschlandradweg D4 ist zumindest auf dem von mir befahrenen Abschnitt sehr angenehm zu fahren. Selten Feldweg, dann aber gut zu fahren, ansonsten ausnahmslos Asphaltiert.

Fernradweg D4 Zittau-Aachen Fernradweg D4 Zittau-Aachen

Wie das aber mit solchen Radwegen ist, wenn man nicht den entsprechenden Radführer dabei hat, verpasst man ein winziges Schild, vielleicht fehlt es ja auch oder fiel Vandalen zum Opfer, und schon hat man den Radweg „verlassen“. Genau so ergeht es mir heute wieder. Weiter geht’s also mit der Handy-Navigation. Ich halte mich auf Pirna, wo ich auf die Elbe treffe. Dieser folge ich einige Kilometer, bis sie nach Norden abweicht.

Die Elbe bei Pirna

Dann navigiere ich quer durchs Land. Schade, dass ich auf meinen Karten keine Höhenlinien habe. Dann hätte ich vielleicht die Route anders gewählt.
So jedenfalls wurde diese Etappe eine recht bergige Etappe. Insgesamt 1624Hm sammele ich heute auf einer Etappenlänge von 108,65km zusammen. Zwischenzeitig komme ich an zwei Schildern vorbei, die mich jeweils schmunzeln lassen:

Kein Porsche zu sehen in dem Ort Es ist mir elend, trotzdem geht's geradeaus

Im Porschendorf habe ich nachgesehen – ich sah keinen einzigen Zuffenhausener Sportwagen.
Und obwohl es mir an dem Schild schon gewissermaßen Elend war, fuhr ich weiter geradeaus 😉
Wie schon geschrieben, scheinen die Flachen Strecken mit dem Erzgebirge Vergangenheit zu sein. Weite Felder in geschwungenem Land stellen hier das Landschaftsbild.

Weite Felder in geschwungenem Land

Ich melde mich telefonisch bei einer Jugendherberge an. Das Abendessen ist für mich mal was neues – es gibt hier nur kaltes Essen :-/ Eigentlich hatte ich gehofft, hier den Kalorienhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen zu können. Internet geht gar nicht, Mobilfunknetz nur sehr beschränkt.

Zusammenfassung

Tages-km: 108,65 km
Fahrzeit: 07h 18min
VØ: 14,8km/h
Tages-Aufstieg: 1624Hm

 


12.06.2014 – Tag 15

Tag ohne Radwege
Tja, was soll ich zu heute erzählen? Da gibt es eigentlich nicht so viel. Nachdem ich von der Jugendherberge aufbrach, fahre ich zuerst weiter über die B171, wechsele dann auf die B101, die dann später zur B169 wird.Landschaftlich bleibt es erst einmal nett anzusehen. Eine sehr hügelige Landschaft, noch weitaus hügeliger, als unser Sauerland daheim.

Weite Felder neben der Straße

Am heutigen Tag komme ich zu der Erkenntnis, dass es im Erzgebirge keine fünf Meter ebene Straßen gibt. Es gibt nur mäßig steil nach oben, steil nach oben, sehr steil nach oben und ebensolche Abstufung für die Gefällstrecken, die aber nur gefahren werden dürfen, um Futter für weitere Steigungen zu bekommen. Aufgrund der Bundesstraße ist die Sache zudem nicht nur Schweiß treibend, sondern auch noch in einem gewissen Maße stressig.

Kleine, eher schmale Bundesstraße
Kleine, schmale, glücklicherweise wenig befahrene Bundesstraße

Oft, nachdem ich mich über, gefühlt kurze, Gefällstrecken ins Tal stürzen darf, muss ich für einen solchen Anblick erst einmal wieder lange arbeiten:

Talblick im Anstieg auf Annaberg-Buchholz
Talblick im Anstieg auf Annaberg-Buchholz

Hier kämpfe ich mich eine besonders lange und steile Steigung hinauf, um dann für diesem Ortsschild zu stehen:

Mauersberg
Mauersberg – der Name ist Programm – Eine Steigung, wie eine Mauer!

Gegen 15:30 Uhr, bei einsetzendem Berufsverkehr, wird mir die Sache auf der Bundesstraße zu ungemütlich. Die Fahrweise wird insgesamt merklich aggressiver. Das macht jetzt gar keinen Spaß mehr. Ich sehe in Schneeberg bei Aue im Erzgebirge einen Hinweis auf eine Pension. Ich frage an und bekomme ein Zimmer. Beim Hausrundgang erkenne ich, dass der Senior des Hauses Heinz Rosner (Mr. MZ) ist.

Mr. MZ - Heinz Rosner
Heinz Rosner (Mr. MZ)

So, jetzt lasse ich den Tag erst einmal gemütlich am/im Pool ausklingen…

Im Pool

 

Zusammenfassung

Tages-km: 82,3 km
Fahrzeit: 05h 42min
VØ: 14,4km/h
Tages-Aufstieg: 1566Hm

 


13.06.2014 – Tag 16

Freitag, der 13. – Verschwörung der Elemente
Gestern Abend war die Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Eigentlich wollte ich mir das Eröffnungsspiel ansehen. Aber das hat nicht geklappt. Irgendjemand hat meine Augen ausgeknipst. Mitten in der Nacht werde ich wach und wundere mich über die Gesellschaft im Zimmer – der Fernseher ist noch an. Das war dann wohl nichts…
Nach einem angenehmen Frühstück wird wieder einmal der Drahtesel gesattelt und ich mache mich auf den Weg gen Westen.

Erstes Ziel ist Plauen. Diesem werde ich erst einmal weiter über die B169 nähern. Eine vernünftige Alternative dazu gibt es leider nicht. Das heißt weiterhin, dass erst einmal keine Radwege vorhanden sind. Glücklicherweise sind die Autofahrer wieder vernünftig geworden. So lässt es sich als Radfahrer wieder mit einem vergleichsweise guten Gefühl radeln. Ich kann es irgendwo verstehen, nach einem anstrengenden Arbeitstag bin ich auch nicht immer gut d’rauf…
Hier trotzdem ein paar nette Ausblicke seitlich der Bundesstraße:

Blick von der Bundesstraße B169 Limitierung beendet

… schön, wenn man sich nach dem zweiten Schild wieder „frei“ bewegen kann 😉
Egal, ich freue mich, als ich einige Kilometer vor Plauen endlich die B169 verlassen kann und mich über kleinere Nebenstraßen weiter bewegen kann.

Nebenstrecke
Schön, wieder über Nebenstrecken fahren zu können, die nicht
von großen LKW befahren werden können (s. Höhenbeschränkungen)

Plauen ist wieder einmal so ein rotes Tuch für mich. Ich habe schon immer ein ungutes Gefühl, wenn ich mich einer größeren Stadt nähere. So auch hier. Meine gewählte Strecke durch die Stadt ist nicht verfügbar – Großbaustelle. Alles andere scheint mir zu umständlich. Also versuche ich, mich durch die Großbaustelle zu mogeln. Es gelingt, wenn auch der eine oder andere Bauarbeiter schräg schaut, aber nichts dazu sagt. In Plauen bewege ich mich ein paar Kilometer entlang der Elster. Hier darf ich wieder einmal einen sehr kleinen, schmalen, nicht asphaltierten Radweg befahren.

Radweg an der Elster Radweg an der ELster bei Plauen

Weiter geht es über einen Teil der deutschen Alleenstraße. Sehr ruhig, und wenig Verkehr auf super schönen, schmalen Landstraßen – das mag ich!

Deutsche Alleenstraße Deutsche Alleenstraße

Grundsätzlich hat sich von gestern zu heute nicht allzuviel geändert. Auch heute gibt es kaum einmal ein Stück ebenen Weges. Was heute, am Freitag, dem 13. dazu kommt, ist der Wind. Habe ich endlich eine Anhöhe bewältigt, muss ich oft sogar auf der darauffolgenden Bergab-Passage trampeln, Das zermürbt einen dann wirklich. Einmal rufe ich an einer solchen Stelle sogar meinen Unmut lauhals heraus – geholfen hat es nichts…

Eine von vielen Anhöhen
Einer, von vielen schönen Ausblicken, die es sich erst zu erarbeiten heißt!

Kurz später treffe ich dann auf die Saale-Talsperre. Ich befinde mich mittlerweile im Naturpark Thüringer Schiefergebirge-Obere Saale.

Saale-Stausee
Der Saale Stausee im Thüringer Schiefergebirge

Hier nähere ich mich heute schon wieder den 80 Kilometern. Es ist bereits Nachmittag gegen 15:00 Uhr und ich beginne, nach Zimmern Ausschau zu halten. Im Bereich des Stausees erwarte ich gar nichts brauchbares. Zu sehr schaut mir die Sache nach einer Touri-Gegend aus. ein paar Kilometer weiter treffe ich dann aber auf eine rustikale Gaststätte, die Gaststätte „zur Ratte“. Nach ein wenig suchen finde ich die Inhaberin und bekomme ein gemütliches Zimmer in dem alten Hof.
Nach einer erholsamen Dusche, lege ich eine Stunde die Beine hoch und gehe danach nach draußen in den Biergarten, wo mir ENDLICH ein leckeres Mahl bereitet wird. Das war’s für heute!

Gasthof Ratte
Biergarten Mein Abendessen - leckeres Currygulasch in der Ratte

Übrigens:
Es gibt eine, nicht unerhebliche Planänderung! Der Weg wird NICHT weiter gen Süden gehen, sondern mich von hier aus, quer durch die Republik zur Mosel führen. Der Grund ist, dass ich nunmehr nur noch eine Woche Zeit zur Verfügung habe. In dieser Woche kann ich keinesfalls die Umrundung der Republik vervollständigen. Wenn ich also jetzt nach Süden fahre, bin ich Ende kommender Woche wahrscheinlich irgendwo im tiefen Süden der Republik (Bodensee?). Nicht, dass das eine unschöne Gegend ist, ganz im Gegenteil. Ich denke aber daran, welchen Aufwand es bedeuten würde, von dort aus wieder nach Hause zu kommen.
So lasse ich mich nächste Woche Donnerstag von der Family an der Mosel besuchen, wo ich mit Sohnemann noch zwei Tage in Richtung Koblenz flußabwärts fahren werde. Dann werden die Räder auf den RAM gepackt und wir fahren wieder nach Hause.
In meinen Augen die, für alle, problemlosere Lösung…

Selfie
und mal wieder ein „Selfie“ zwischendurch

Zusammenfassung

Tages-km: 89,9 km
Fahrzeit: 05h 45min
VØ: 15,6 km/h
Tages-Aufstieg: 1192Hm

 


14.06.2014 – Tag 17

Der letzte Tag
Es hat mich viel Überlegung und auch viel Überwindung gekostet, diese Entscheidung zu treffen. Ebenfalls ist es schwer, es jetzt in Worte zu fassen. Ich versuche es trotzdem…

Die Nacht im Gasthaus Ratte war sehr ruhig und gemütlich. Das Frühstück lecker und reichlich. Ebenfalls gefällt mir wieder die sehr persönliche Art, mit der man hier behandelt wird. Trotzdem, irgendwann muss es ja weiter gehen – ich breche auf.
Das Wetter schaut nicht vielversprechend aus. Daheim im Sauerland würde ich alles darauf verwetten, dass es in der nächsten halben Stunde zu regnen beginnt.

Mäßiges Wetter
Trübes Wetter am Morgen

Ich ziehe meine Regenjacke über. Nicht, weil es tropft, sondern eher als Windschutz. Es dauert nicht lange, da zeigen sich kleine blaue Stellen am Himmel – unglaublich!

Auflockerung
erste Aufheiterungen – sollte das doch noch was geben…?

Kalt wird mir jedenfalls nicht. Nach jeder (kurzen) Abfahrt, folgt umgehend der nächste lange Anstieg. Aus der Gegend im Sauerland bin ich ja schon Steigungen gewohnt, aber dieses Verhältnis findet man daheim auf Asphalt nur dann, wenn man wirklich danach sucht. Ansonsten ist das Verhältnis zwischen Strecke und Höhenmeter eher für Mountainbike-Touren üblich.

Zwischenstand Daten

Wieder einmal begleiten mich auch heute zahlreiche beeindruckende Ausblicke mit weiten Sichten. Über eine längere Strecke folge ich dem, hier sehr gut ausgebauten, Rennsteig-Radweg.

Rennsteig-Radweg

Die ganze Zeit aber, auch gestern schon, als ich von der „Planänderung“ sprach, geht es mir durch den Kopf, dass mir der jetzige Verlauf der Tour nicht wirklich passt. Ich hatte eine Umrundung, oder zumindest ein ungefähres Nachfahren des Deutschland-Umrisses auf dem Schirm. Dazu passt diese Route jetzt gar nicht mehr, auch dann, wenn sie teilweise recht reizvoll, teilweise auch durchaus anspruchsvoll ist.

Weitblick Anspruch

Im Kopf habe ich das eigentliche Vorhaben bereits gestern in dem Moment vorläufig abgebrochen, in dem ich von der eigentlichen Route abgewichen bin. Das wird mir heute richtig bewusst. Der Blick auf die Karte zeigt mir zudem, dass mich, zumindest heute und morgen, wieder einmal fast ausschließlich Bundesstraßen begleiten werden. Das und vor allem das Wissen, dass die Umrundung sowieso unterbrochen ist, veranlasst mich, der Sache hier ein vorläufiges Ende zu setzen.
Meine Family ist derzeit in Altenburg (120km entfernt), da dort ein Marathon stattfindet, an dem meine Frau teilnimmt. Ein Anruf und der „Servicetrupp“ ist unterwegs.
Ich setze mich derweil mit äußerst gemischten Gefühlen in einen Biergarten und bestelle mir noch ein Mittagessen.
Irgendwie fühle ich mich schlecht, habe das Gefühl, die Tour abgebrochen zu haben. Aber je mehr ich darüber sinniere, desto klarer wird mir, dass es sich nicht um einen Abbruch handelt. Auch, wenn ich schon mal über das ständige hoch und runter jammerte – es hatte durchaus seinen Reiz. Und auch, wenn ich darüber schimpfte, konnte ich am Abend doch darüber schmunzeln. Die oftmals superschönen Gegenden und Aussichten entschädigten mehr, als genug für die Strapazen. Nein das alles störte mich nicht wirklich. Was mich wirklich stört, ist die Tatsache, dass ich von der Route abgewichen bin.
Deshalb endet diese Reise in diesem kleinen Biergarten in Lichte.

Das Ende dieser Reise Henkersmahlzeit

Fest steht, dass dies nicht das Ende der Tour ist. Die Deutschlandumrundung wird vervollständigt, oder zumindest in abgeänderter Form fortgesetzt!
Für den nördlichen Teil hatte ich im Vorfeld viele Strecken ausgearbeitet, bzw ausgesucht. Das hatte sich meist bewährt und die Reise insofern angenehm gestaltet, dass ich mich nur wenig um die Navigation kümmern musste. Mit dem Ende des Oder-Neiße Radweges hat sich das leider geändert. Hier hatte ich im Vorfeld nicht viel geplant und wollte die Sache auf mich zukommen lassen. Das war ganz klar ein Fehler, der in einer massiven Bundesstraßenlastigkeit endete. Bei der Fortsetzung werde ich darauf achten, die gesamte Route möglichst radtauglich durchzuplanen, so wie bei dieser Reise im Norden.

Insgesamt war die Tour rückblickend sehr interessant. Auch, wenn das eine oder andere Mal ein (nicht nur leiser) Fluch über meine Lippen kam, möchte ich diese Erfahrung nicht missen, sondern, im Gegenteil, durchaus weiter ausbauen.

Allen, die den Verlauf meiner Tour verfolgten, gilt mein Dank für euer Interesse. Ich war unterwegs immer sehr überrascht von der Anteilnahme und den zahlreichen Nachfragen. Damit hatte ich so nicht gerechnet.

Zusammenfassung

Tages-km: 57,58 km
Gesamt km: 1864 km
Fahrzeit: 04h 06min
VØ: 14,0 km/h
Gesamt-Fahrzeit: 102h 00min
Tages-Aufstieg: 1001Hm
Gesamt-Aufstieg: 9261Hm

 

Fazit

Die Reise war eine interessante Erfahrung. Das erste Mal war ich über längere Zeit mit dem Rad unterwegs, ganz sicher aber nicht das letzte Mal. Wünschenswert wäre es, sich zwischendurch etwas mehr Zeit für die schönen Dinge am Wegesrand zu nehmen. Das kam auf dieser Reise etwas zu kurz.
Meinen Aufrichtigen Dank möchte ich an meine liebe Frau und an meinen Sohn richten, die mit ihrem Verständnis diese Reise erst möglich machten.

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